Der Götterbaum

Weise Geschichten die berühren, verzaubern, motivieren und inspirieren.

Es war einmal ein Wandermönch, der viele Jahre seines Lebens über
Dörfer und Städte zog, um die göttliche Lehre zu verbreiten.
Eines Tages, als der Winter viel zu früh übers Land kam und heftige
Schneestürme den Mönch am Weiterkommen hinderten, fand er völlig
unterkühlt Zuflucht in einem kleinen Dorf.
Von den Dorfbewohnern wurde er herzlichst aufgenommen. Trotz ihrer
Armut gaben sie ihm warme Decken und teilten ihre Essensvorräte mit
ihm.


Als das Frühjahr wieder ins Land kehrte war es Zeit Abschied zu nehmen.
Der alte Mönch rief alle Dorfbewohner zusammen, um sich für ihre Herz-
lichkeit und Hilfsbereitschaft zu bedanken. Er teilte ihnen mit, dass sie
gerechten Lohn für ihre Gastfreundschaft erhalten sollten. Er hieß die
Dorfbewohner einen Götterbaum an einer von ihm genau benannten
Stelle zu pflanzen.


Als der Frost die Erde verließ, machten sich die Männer mit Schaufeln
und Hacken auf den Weg, um für den Baum das Loch zu graben. Nachdem
die erste Erdschicht abgetragen worden war, stießen sie nur noch
auf Steine. Die Männer mühten sich ab und trafen auf immer größere
Steine, die es zu beseitigen galt. Manche wollten schon aufgeben und
den Baum an einer geeigneteren Stelle pflanzen. Die Mehrheit entschied
jedoch weiterzugraben, um des Mönches Geheiß zu folgen.
Nach mehreren Tagen harter Arbeit staunten die Männer, als sie auf
Steine aus purem Gold stießen.


Das einst arme Dorf wurde so zu einer wohlhabenden Stadt.
Noch heute sitzen die einstigen Dorfbewohner unter dem Götterbaum
und erzählen sich Geschichten. Die Ältesten erzählen immer wieder von
dem alten Wandermönch und seinen Botschaften. Eine der Botschaften
lautet: »Wenn dir das Leben Steine in deinen Weg legt – dann überlege,
ob du wirklich aufgeben möchtest – denn es könnte sein, dass sich ein
Schatz darunter verbirgt!«

© Gisela Rieger; aus dem Buch „Inspirationen für`s Herz“ ;

ISBN 978-3-00-050869-1

(Wir nutzen die Geschichte mit freundlicher Genehmigung durch die Autorin. Danke!)


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Zitat/Weisheit zu dieser Geschichte

"Nicht das Beginnen wird belohnt,
sondern einzig und allein
das Durchhalten."

 

Zitat: Kathar ina v. Siena, ital. Mystikerin, Kirchenlehrerin, 1347-1380