Das Testament der Erkenntnis

Weise Geschichten die berühren, verzaubern, motivieren und inspirieren.

Richard, ein erfolgreicher Unternehmer, gründete viele gut florierende
Firmen. Er entwickelte sich zum größten Arbeitgeber der Stadt und war
daher ein angesehener Mann.
Seine Angestellten schätzten ihn, obwohl er ihnen viel Leistung abverlangte
und die Gehälter eher mäßig ausfielen.
Richard arbeitete fast Tag und Nacht und gönnte sich kaum etwas vom
Leben. Er wurde gerne belächelt, da er trotz seines guten Gewinns sehr
sparsam, ja, beinahe geizig lebte.
Doch eines Tages verkündete er seinen Vorständen, dass er sich eine
Auszeit nähme und sich auf eine kleine Weltreise begäbe.
Nach seiner Rückkehr gab es erstaunliche Veränderungen. Für seine
Angestellten wies er eine beachtliche Gehaltserhöhung an. Er spendete
ein kleines Vermögen, trug erstmalig Maßanzüge, legte sich eine neue
Limousine samt Chauffeur zu und speiste neuerdings in den besten Lokalen.
Daher wurde Richard beinahe über Nacht zum Stadtgespräch.
Ein guter Freund, der davon hörte, suchte Richard auf, um ihn nach dem
Grund der plötzlichen Änderung seines Lebenswandels zu befragen.
Richard lächelte und sprach: »Weißt du, schon lange drängten mich
meine Anwälte, ein Testament zu machen. Als ich beim Notar saß, wurde
mir erstmals bewusst, wie viele Menschen davon profitieren würden. Es
hätte nur einen einzigen Menschen gegeben, der leer ausgegangen wäre!
Und stell dir vor, dieser Mensch wäre ich selbst gewesen!«
Heute ist Richard über achtzig Jahre alt. Mit Freude erzählt er seinen
Enkelkindern immer wieder von der Zeit vor seinem Testament und vor
allem von dem Wandel der darauf folgenden Jahre!
Auf seiner dreimonatigen Weltreise hatte er Zeit gehabt, um über das
Leben nachzudenken. Als er China und Indien erreichte, all das Elend
und den Hunger dort sah, war er mehr als bestürzt. Mit seinem Streben
nach Geld, Macht und Ehre kam er sich dort beinahe schäbig vor.
So konnte er stundenlang von seinen Erkenntnissen und Erfahrungen
berichten. Der letzte Satz seiner Erzählungen war stets: »Nur die Liebe
allein weiß um das Geheimnis, andere zu beschenken und dabei selbst
reich, wie auch glücklich zu werden!«

© Gisela Rieger; aus dem Buch „Inspirationen für`s Herz“ ;

ISBN 978-3-00-050869-1

(Wir nutzen die Geschichte mit freundlicher Genehmigung durch die Autorin. Danke!)


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Ich bin ich ...

Ich bin ich ...
Als kleines Kind wollte ich so sein und so werden wie meine Eltern,
Geschwister oder andere Vorbilder, die ich bewunderte.
Als ich größer wurde, erkannte ich: »Ich bin ich!« Ich selbst ...


Zitat/Weisheit zu dieser Geschichte

"Sinn des Lebens: etwas,
das keiner genau weiß.
Jedenfalls hat es wenig Sinn,
der reichste Mann auf
dem Friedhof zu sein."

 

Zitat: Peter Ustinov, britischer Schriftsteller, 1921-2004