Besitz-Illusion

Lasst die Dinge nicht die Welt werden!

Besitzillusion
Frank Krenz / pixelio.de

Das kleine ICH (unser Ego) grenzt Raum ab und nennt diesen dann MEIN.

Das große ICH (unser Selbst/Wesen) erkennt, dass es - abgesehen vom eigenen Selbst - kein MEIN gibt.


Erkenne was die Dinge wirklich sind.

Dinge sind Formen der Welt.

Dinge können und dürfen erfreuen und gefallen.

Dinge sind jedoch nicht DU. Sind nicht DEIN.

Was nicht DEIN ist, kann dir nicht genommen werden.


Habe Freude an den Dingen der Welt.

Lasst die Dinge nicht die Welt werden.


Wir kommen nackt zur Welt und bekommen dabei alles mit “was unser” ist.

Im Laufe der Zeit bekommen wir immer mehr - mehr oder weniger - nützliche und sinnvolle “Dinge” zu Seite gestellt. Diese Dinge werden schnell zu “unserem”. Zu MEIN. Zu Besitz. Mit diesem MEIN-Denken kommt auch Verlust-Denken. Je mehr wir besitzen, umso mehr können wir verlieren. Diese Angst vor Verlust kann wachsen. Jedes Mehr an Besitz kann ein Mehr an Angst mitsichbringen.


Die Lösung ist nicht Besitzlosigkeit. Besitzlosigkeit ist zwar eine Möglichkeit, jedoch keine Notwendigkeit. Die Lösung ist eine Haltungsveränderung. Erkennen dass es abgesehen vom eigenen SEIN - kein MEIN gibt.


MEIN und DEIN sind - da ein dualistisches, ein trennendes Konzept - eine Funkion des kleinen ICHs. Wenn wir dies erkennen, verstehen und annehmen können, ist ein Haltungwechsel problemlos möglich.

Beispiel: Grund und Boden

Das kleine ICH grenzt ein Stück Boden ab und nennt dieses Stück dann MEIN.

Die Begrenzung erschafft ein “MEIN”. Die Grenze macht dieses “MEIN” jedoch KLEIN.

Würden diese Grenzen - in Form von Mauern und Zäunen - nur in der physischen, in der greifbaren Welt - gezogen, wären sie wahrscheinlich leicht zu überwinden.

 

Die Grenzen werden jedoch - sogar zu aller erst - im Kopf gezogen. “Dies soll MEIN sein - MIR gehören” denkt das kleine ICH. Eine Mauer um ein Grundstück ist eine Mauer um ein Grundstück. Die Mauer im Kopf ist jene Mauer die das kleine ICH zu verteidigen sucht.

 

Mauern sind Mauern. Und auch der befreite Geist, das große ICH kann Mauern bauen. Das große ICH baut jedoch keine Mauern im Kopf. Es weiß um seinen unendlichen Reichtum. Nicht der abgegrenzte Grund und Boden bedeutet Reichtum und Besitz. Der wahre Reichtum ist jener Grund und Boden der ohne Mauer ist. Es gibt so viele Wälder, Wiesen, Berge, Flüsse, Bäche die frei zugängig sind. Sicher, auch diese werden - laut Grundbuch - jemandem gehören. Solange jedoch weder Zaun, Mauer noch Verbot eine Grenze ziehen, sind diese Plätze der unendliche Reichtum, der “nicht besessene Besitz” des großen ICHs.

 

Wisse:

Es bedarf nicht der Besitzlosigkeit. Man kann Grund, Haus und Dinge besitzen. Kann diese Dinge schützen und auch MEIN nennen. Heilsam ist, wenn man erkennt, dass es nicht “MEIN” ist.

 

Wir sind Verwalter. Egal ob uns Dinge geschenkt wurden oder ob sie durch harte Arbeit zu uns kamen. Wir sind nur Verwalter. Nie Besitzer. Und was kümmert es uns wenn ein, viele, oder alle Dinge von uns genommen werden. Nichts! Denn einem Verwalter ist bewusst, dass das Verwaltete jederzeit vom Besitzer zurückgefordert bzw. zurückgenommen werden kann.

 

Und da Verwalten von Dingen Arbeit ist, ist jedes Ding das genommen oder gleich nicht vorhanden ist, weniger Arbeit. :-)

 

In Bezug auf Besitz ist es auch hilfreich in Dingen ihre grundlegende Funktion zu erkennen. Ihren wahren Wert.

Beispiel Kleidung: 

Heute dient Kleidung oft dem Körperschmuck. Sie soll zeigen “wer wir sind”, welcher sozialen Gruppe wir uns zugehörig fühlen. Dabei ist Farbe, Schnitt und Aussehen oft wichtiger als Funktion und Haltbarkeit. Das kleine ICH versucht sich über Kleidung ein Gesicht zu geben, sich als Individuum, als “ICH BIN” zu definieren. Sich eine Form zu geben, sich zu unterscheiden, sich zu festigen.

 

Auch das große ICH darf und kann Gefallen an Formen (z.B. Kleidung) haben.

Es definiert sich jedoch nicht über diese. Es erkennt - im Fall der Kleidung - die Funktion hinter dieser. Kleidung benötigen wir um unseren Körper zu schützen. Kleidung ermöglicht uns Leben in einer Umgebung die unserem nackten Körper keinen Lebensraum bieten würde. Das “große ICH” erfreut sich an feinen Stoffen, und zieht diese einem Lumpen vor. Dennoch erkennt es auch den Wert eines Umhangs aus Kartoffelsäcken. Ob dieses oder jenes zur Verfügung seht, ist bedeutungslos. Beides - feiner Stoff oder Lumpen - kann Schutz und durch diesen Freude bringen.

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Unser Ronald hat einmal seine Gedanken zu diesem Thema niedergeschrieben und hat dabei Funktionen des ICH (Ego) beleuchtet. Der Text ist nur als PDF-Download verfügbar.
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"Der Weise achtet sich keinerlei Gaben des Zufalls unwert. Er liebt die Reichtümer nicht, aber er zieht sie der Armut vor; er nimmt sie nicht in seine Seele, wohl aber in sein Haus auf."


Zitat: Seneca, Vom glückseligen Leben