Beinwell - Nahrungsmittel aus der Natur

Wild- und Wiesenkräuter - Essbare Medizin/Survival Nahrung

Themen-Übersicht Beinwell

Beinwell Kurzsteckbrief

Blütezeit: Mai - Juli
Vorkommen: Der Beinwell liebt feuchten Boden und ist daher besonders häufig an Wasserläufen oder in Senken zu finden. Er wächst aber auch in eher trockenen Gärten.
Verbreitung: Der Beinwell ist über den größten Teil Europas verbreitet, im Norden bis Irland, Schottland, Mittelskandinavien, Südfinnland und Karelien, im Osten bis Westsibirien und Kleinasien, über die nördlichen Balkanländer, Mittelitalien bis nach Mittelspanien
Sammelgut: Wurzeln und Blätter
Sammelzeit: Wurzeln: März bis April und September bis Oktober
Blätter: Mai - Juli
Sammelvorschrift: Die Wurzeln ausgraben und zunächst durch Beklopfen von den Erdresten befreien, waschen und zum Trocknen auslegen oder auf Schnüre reihen. Größere Stücke längs spalten. Die Droge ist geruchlos und hat einen aromatischen, etwas süßlichen Geschmack, der in einen scharfen, bitteren und zusammenziehenden Nachgeschmack übergeht. Für Salate und Smoothies können auch die Blätter und Blüten genutzt werden.
Inhaltsstoffe: Cholin, Gerbstoffe, Flavonoide, Schleim, Stärke, Pflanzensäuren und das Vitamin B12 (Beinwell ist die einzige Pflanze die Vitamin B12 enthält. Dieses Vitamin kommt sonst nur in tierischen Nahrungsmitteln vor). Die Droge enthält außerdem Allantoin und Schleim-Polysaccharide. Wechselnde Mengen von Pyrrolizidinalkaloiden mit einem 1,2-ungesättigten Necingrundgerüst und deren N-Oxide.
Heilwirkung: adstringierend, beruhigend, blutbildend, blutreinigend, blutstillend, entzündungshemmend, erweichend, kühlend, lindernd, wundheilend, schmerzstillend;
Anwendungsbereiche: Abszesse, Arthritis, Arthrose, Asthma, Blaue Flecken, Blutarmut, Bluterguss, Brandwunde, Bronchitis, Diabetes mellitus, Durchfall, Eiternde Wunden, Ekzeme, Furunkel, Gastritis, Gelenkschmerzen, Geschwüre, Gichtknoten, Ischias, Juckreiz, Hämorrhoiden, Hautjucken, Hautrisse, Hautschäden, Hornhaut, Knochenbruch, Knochenhautentzündung, Krampfadern, Lungenentzündung, Magenschleimhautentzündung, Muskelkater, Nasennebenhöhlenentzündung, Narbenschmerzen, Nierenerkrankung, Offenes Bein, Phantomschmerzen, Psoriasis, Quetschungen, Rheuma, Schlecht heilende Wunden, Schleimbeutelentzündng, Schmerzen, Schnittwunden, Schuppenflechte, Sehnenscheidenentzündung, Spinnenbiss, Unterschenkelgeschwüre, Varizen, Venenentzündung, Verbrennungen, Verdauungsbeschwerden, Verhärtung der Brustdrüsen, Verrenkung, Verstauchung, zu starke Mensturation;

Beinwel lgenauer betrachtet

Beinwell (Symphytum), früher auch Wallwurz (in Bezug auf das Zuheilen [„Wallen“] von Knochenbrüchen und Wunden) oder Beinwurz genannt, ist eine Pflanzengattung, die zur Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae) gehört. Der englische Trivialname lautet „Comfrey“. Die etwa 40 Arten sind in Europa, Nordafrika sowie im westlichen und zentralen Asien beheimatet.

Verwendung in der Küche / Survival Nahrung

Beinwell (Symphytum officinale) ist ein hervorragendes Mittel für die Küche. Hier sollte darauf geachtet werden, dass nur Pflanzen frischer Ernte verwendet werden, da hier noch alle Nährstoffe vorhanden sind. Vor allem Proteine finden sich in frischem Beinwell in hoher Konzentration. Gleichfalls besitzt dieses Protein eine hohe biologische Wertigkeit, wie sie ansonsten nur in tierischen Produkten zu finden ist. Der Beinwell enthält allerdings auch Alkaloide. Diese stehen im Verdacht, was im Tierversuch nachgewiesen wurde, krebserregend zu wirken. Empfohlen wird daher nur der gelegentliche Verzehr des Beinwell. Hierbei wurde bisher noch keine erhöhte Krebsneigung festgestellt.
 
Der Beinwell wird hauptsächlich als Salat verwendet. Auch in gekochter Form ist die Pflanze bekömmlich. In der Schweiz wird der Beinwell in Teig ausgebacken. Bekannt sind aber auch Gerichte, die die Pflanze zum Einwickeln von Fleisch und Ähnliches verwenden.

Medizinische Nutzung / Homöopathie

Die Beinwell-Arten wurden schon in alter Zeit als Heilkraut verwendet. Ihr Name leitet sich von ihrer Anwendung bei Knochenbrüchen und bei offenen Wunden ab. Auch bei Verletzungen von Bändern und Sehnen wurde den Pflanzen Heilwirkung zugeschrieben. Sowohl der heute anerkannte Gattungsname Symphytum als auch der in früheren Werken gebräuchliche Name Consolida bedeuten übersetzt „Zusammenwachsen“ (lat.: consolidare, gr.: symphýein). Als Heilpflanze wird besonders der Echte Beinwell (Symphytum officinale) eingesetzt und auch in Kräutergärten angebaut. Äußerlich angewendet ist er wirksam bei Prellungen, Zerrungen und Verstauchungen, der Gebrauch unterliegt jedoch Beschränkungen. Eingesetzt wird Beinwell bei sogenannten „stumpfen Traumen“ aufgrund seiner schmerzlindernden, entzündungshemmenden und abschwellenden Wirkung. Die Heilwirkung auf die Haut ist auf den Inhaltsstoff Allantoin zurückzuführen, der heute auch in der Kosmetik zahlreiche Anwendungsgebiete gefunden hat. Allantoin bewirkt die Beschleunigung des Zellaufbaus und der Zellbildung, was in der alten Heilkunde vor allem bei der Behandlung von Unterschenkelgeschwüren genutzt wurde. Bei Nicholas Culpeper ist nachzulesen: „der Beinwell hat eine solche Kraft zu heilen und zusammenzufügen, dass zerteilte Fleischstücke wieder zusammenwachsen, wenn man sie mit Beinwell in einem Topf kocht.“


Nebenwirkungen:

Auf Grund der in geringen Mengen vorhandenen Pyrrolizidinalkaloide sollte man während der Schwangerschaft und Stillzeit die Droge auch äußerlich nicht verwenden. Aus dem gleichen Grund bitte auch nicht bei Kindern unter 2 Jahren anwenden.


Getrockneter Beinwell (Wurzel und Blatt) wurden Tierversuchen in großen (!) Mengen über einen längeren Zeitraum Ratten verabreicht. Viele der Versuchstiere bekamen Lebertumore und/oder Blasenkrebs. Demnach ist es nicht auszuschließen, dass Beinwell, über einen längeren Zeitraum und in großen Mengen eingenommen, die Leber schädigen könnte.


Teilweise wird dazu geraten nur Präparate und Kräuter aus Apotheken zu kaufen, da dort die Grenzwerte kontrolliert werden.

Verwechslungsgefahr (mit Giftpflanzen)

Entfernt mit Borretsch, sowie vor der Blüte mit dem giftigen Fingerhut.

Beschreibung der Pflanze / Pflanzenbestimmung

Vegetative Merkmale

Symphytum-Arten sind ausdauernde krautige Pflanzen. Die Wurzeln sind verdickt. Die oberirdischen Pflanzenteile sind rau oder borstig behaart.

 

Die wechselständigen Laubblätter sind einfach. Die Grundblätter sind gestielt und die Stängelblätter sind sitzend bis (bei vielen Arten) am Stängel herablaufend. Es sind keine Nebenblätter vorhanden.

 

Generative Merkmale

Als typischer Blütenstand wird ein endständiger Doppelwickel gebildet. Es sind keine Deckblätter vorhanden. Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppeltem Perianth. Die fünf Kelchblätter sind höchstens bis zur Mitte verwachsen mit ungleichen Kelchzipfeln, sie verlängern sich etwas bis zur Fruchtreife. Die fünf hell-purpurroten, weißen oder selten gelben Kronblätter sind röhrig bis meist glockenförmig verwachsen. In der Kronröhre befinden sich fünf Anhängsel, sogenannte „Kronschuppen“, mit papillösen Drüsen. Die fünf Kronlappen sind dreieckig bis halbkreisförmig mit gezähnten Rändern und die Spitze kann manchmal nach oben eingerollt sein. Es ist nur ein Kreis mit fünf Staubblättern vorhanden; sie sind mit der Kronröhre verwachsen und überragen die Krone nicht. Die zwei Fruchtblätter sind zu einem oberständigen Fruchtknoten verwachsen, der durch Einkerbungen in vier Klausen mit je einer Samenanlage geteilt ist. In der Einsenkung des vierteiligen Fruchtknotens mit konvexen Griffelpolster befindet sich der dünne Griffel, der in einer kopfigen Narbe endet und meist die Krone überragt.

 

Es werden Klausenfrüchte gebildet. Die vier Teilfrüchte sind eiförmig, manchmal etwas ungleichseitig, meist drüsig-warzig, netzartig-runzelig oder selten glatt. Die Samen besitzen Elaiosomen.

Bilder der Pflanze

Beinwell Illustration
Grafik mit freundlicher Genehmigung von Kurt Stübers (www.biolib.de)
Beinwell Blüte
von AnRo0002 (Eigenes Werk) [CC0], via Wikimedia Commons
Beinwell Blätter
von AnRo0002 (Eigenes Werk) [CC0], via Wikimedia Commons

Verbreitung und Standorte

Der Beinwell ist in ganz Europa beheimatet. Er wächst bis in Höhen von 1300 m. Hauptsächlich findet man ihn an feuchten und schattigen Standorten, an Waldrändern, Flussufern, Gräben und Hecken. Er liebt einen feuchten, nährstoffreichen und tiefgründigen Boden.

Beinwel ernten | Ernte Tipps

Der Beinwell kann zwischen April und Oktober gesammelt werden. Die Blätter und auch blühenden Sprossteile werden von April bis Juli geschnitten. An einem luftigen und trockenen Ort werden sie dann getrocknet. Die Aufbewahrung muss ebenfalls trocken und vor Licht geschützt erfolgen. Die Wurzeln werden dann im Spätsommer ausgegraben. Anschließend werden diese gewaschen und die Seitenwurzeln entfernt. Danach schneidet man diese in Stücke und trocknet sie in der Sonne oder auch im Backofen bei mittlerer Hitze.

Geschichtliches / Wissenswertes

Dioskurides erwähnte den Beinwell bereits als wundheilende Pflanze. Von Galen wird die Pflanze unter verschiedenen Namen geführt. Hildegard von Bingen benutzte schon den Beinwell zur Behandlung von Knochenbrüchen, Wunden und Geschwüren. Auch im Mittelalter fand sie in der Heilkunde Anwendung. Meistens wurde sie äußerlich gebraucht. Den aus der frischen Pflanze bereiteten Brei verwendete man bei Knochenbrüchen. Gerber verwendeten den Schleim der Pflanze, um die Felle weicher und geschmeidiger zu machen. Der Schleim ist auch Grundstoff roter Künstlerfarben.

Trivialnamen/Synonyme/Volksnamen

Beinwurz, Bienenkraut, Hälwurzel, Himmelsbrot, Honigblum, Milchwurzel, Schmalwurz, Schmerzwurz, Schneewurzel, Schwarzwurz, Soldatenkraut, Speckwurz,Wottel, Wallwurz

Bestimmungshilfe (Video)

Beispielrezept(e) / Verwendungsmöglichkeit

Beinwell-Öl

 

Zutaten:

Geschnittene Beinwellwurzel, wahlweise getrocknet oder frisch

ca. 150 ml Pflanzenöl (z.B. Ölivenöl)

Eine dunkle Flasche zum Abfüllen

 

Vorgehensweise:

Fülle ein Glas etwa zu einem Drittel mit geschnittener Beinwellwurzel.

Die Beinwellwurzel kann sowohl getrocknet als auch frishc gesammelt sein.

Gieß ein gutes Öl (z.B. Olivenöl) über die Wurzeln.

Verschließ das Glas.

Erhitze das Öl im Wasserbad.

Etwa 15 Minuten köcheln lassen, dann abstellen und langsam abkühlen lassen.

Stell es an einen warmen Platz.

Im Sommer eignet sich ein Sonnenplatz, im Winter am besten ein Platz in der Nähe der Heizung.

Schüttel das Öl ab und zu

Warte mindestens einen Tag bis zu drei Tage

Für das Abgiessen brauchst du ein zweites Gefäss und einen Kaffeefilter.

Stülpe den Kaffeefilter über das zweite Glas, sodass der Rand übersteht und den Kaffeefilter an Ort und Stelle hält.

Giess Öl und die Beinwellwurzeln in den Kaffeefilter.

Das Öl beginnt, in das zweite Glas zu tropfen.

Es dauert ein paar Stunden, bis das Öl komplett abgetropft ist.

Gieße es in eine dunkle Flasche.

Beschrifte die Flasche mit Inhalt und Datum            

Quellenangaben

Teile des Beitrages basieren auf dem Artikel "Bärlauch" aus der freien Enzklopädie Wikipedia und steht unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“.
 Nährwertangaben aus: Gu Nährwerttabelle
 Inhalte Kurzsteckbrief/Geschichtliches: kaesekessel.de
 (Aussagen zur Heilwirkung: heilkraeuter.de
 selbst zusammengefasstes Wissen aus Büchern (siehe Buchempfehlungen)
 Rezept/Verwendungstipp: www.heilkraeuter.de/rezept/beinwell-oel.htm

 Tipp da toll gemacht: www.pflanzen-vielfalt.at

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"Lasse Nahrung deine Medizin sein und Medizin deine Nahrung!"


Zitat: Hippokrates (460-370 v.Chr.)