Brennnesseln - Nahrungsmittel aus der Natur

Wild- und Wiesenkräuter - Essbare Medizin/Survival Nahrung

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Brennesel Kurzsteckbrief

Blütezeit: Juni - Oktober
Vorkommen: Flussufer, Gärten, Schuttplätze, Wegränder. Anzeiger für überdüngte Böden.
Verbreitung: Bis auf das tropische und südliche Afrika oder in den Polargebieten ist diese Pflanze weltweit verbreitet.
Sammelgut: gesammelt wird das ganze Kraut. incl. Wurzel
Sammelzeit: Mai / Juni (Samen bis in den Herbst)
Sammelvorschrift: Gesammelt wird während der Blütezeit. Es werden bis zu 20 cm von der Spitze der großen oder kleinen Brennnessel mit der Schere agbeschnitten und getrocknet. Die Droge ist geruchlos und schmeckt etwas bitter.
Inhaltsstoffe: Kraut: Mineralien und Spurenelemente, Flavonoide (bis 0,6 %), u.a. Quercetin-Glykoside, bes. Rutin, sowie Kämpferolglykoside, wie Astragalin; organische Säuren, u.a. Kaffeesäure und Kaffeoyläpfelsäure, ferner Scopoletin, Acetylcholin, Histamin und Serotonin in den Brennhaaren; äther. Öl, Vitamine, u.a. Vitamin C, B-Komplex, K; Carotinoide, Steroide, Triterpene, Proteine. Bis 20 % Gehalt an Mineralstoffen mit Kieselsäure, Kalium und Nitrat (ca. 1,5 % in Handelssorten).
Wurzel: Steroide, u.a. b-Sitosterol und Glykoside; Oleanolsäure, Homovanillylalkohol und sein 4'-O-b-D-Glucosid, Lignane; Scopoletin, Mineralien, Lectine, Polysaccharide.
Samen: Zahlreiche Mineralsalze, Carotin ( Provitamin A ) und Vitamin C., hoher Chlorophyll und Eisengehalt.
Heilwirkung: blutreinigend, blutbildend, blutstillend, Stoffwechselfördernd, Harnwegserkrankungen, Rheumatismus, Gicht, Haarwuchsfördernd, Schuppen, Frühjahrsmüdigkeit, Appetitlosigkeit, Verstopfung, Durchfall, Magenschwäche, Nierenschwäche, Diabetes (unterstützend), Bluthochdruck, Menstruationsbeschwerden;
Anwendungsbereiche: Die Brennnessel ist eine hervorragende Stoffwechsel-Pflanze. Vor allem als Frühjahrskur wirkt sie Wunder, indem sie all die Schlacken des Winters aus dem Körper auspült. Man kann sie als Brennnesseltee trinken, im Salat, in der Suppe und wie Spinat essen. Gut gewürzt und mit zusammen mit anderen Kräutern schmeckt das alles wunderbar und gibt frische Kräfte.

Brennesel genauer betrachtet

Die Brennnesseln (Urtica) bilden eine Pflanzengattung in der Familie der Brennnesselgewächse (Urticaceae). Sie kommen fast weltweit vor. In Deutschland nahezu überall anzutreffen sind die Große Brennnessel und dieKleine Brennnessel, nur selten auch die Röhricht-Brennnessel sowie die Pillen-Brennnessel.

Verwendung in der Küche / Survival Nahrung

Von einigen Arten werden die grünen Pflanzenteile, die unterirdischen Pflanzenteile und die Samen verwendet. Als Frühjahrsgemüse werden die jungen Brennnesseltriebe wegen ihres hohen Gehalts an Flavonoiden, Mineralstoffen wieMagnesium, Kalzium und Silizium, Vitamin A und C (ca. 7x mehr Vitamin C als eine Orange), Eisen, aber auch wegen ihres hohen Eiweißgehalts geschätzt. Die Brennnessel enthält in der Trockenmasse etwa 40 % Eiweißanteil, der weit höher ist als bei der Sojabohne (prozentual gesehen). Der Geschmack wird als „dem Spinat ähnlich, aber aromatischer“ und als feinsäuerlich beschrieben.


Besondere Verbreitung fanden Brennnesselgerichte in Notzeiten, in denen Blattgemüse wie Spinat oder Gartensalat zugunsten nahrhafterer Pflanzenarten kaum angebaut wurden, und bei der armen Bevölkerung, da Brennnesseln auf Brachflächen und in lichten Wäldern reichlich gesammelt werden können. Eine weitere bekannte Zubereitungsart ist die Nesselsuppe. Den besten Geschmack haben die ersten, etwa 20 Zentimeter langen oberirdischen Pflanzenteile im Frühjahr oder bei größeren Pflanzen der oberste jüngste vegetative Bereich, die oberen zwei bis vier Blattpaare. Aber auch die Samen der Brennnessel eignen sich geröstet zum Verzehr.

Der unangenehmen Wirkung der Nesselhaare kann man bei der rohen Verwendung für beispielsweise Salate entgegenwirken, indem man die jungen oberirdischen Pflanzenteile in ein Tuch wickelt und stark wringt, sie sehr fein schneidet (beispielsweise mit dem Wiegemesser), mit einem Nudelholz gut durchwalkt oder ihnen eine kräftige Dusche verabreicht. Kochen sowie kurz blanchieren für Brennnesselspinat sowie -suppe macht die Nesselhaare ebenfalls unschädlich. Auch durch das Trocknen der oberirdischen Pflanzenteile für die Teezubereitung verlieren sie ihre reizende Wirkung.

Früher wurden gelegentlich Butter, Fisch und Fleisch in Brennnesselblätter gewickelt, um sie länger frisch zu halten. Tatsächlich verhindern die Wirkstoffe der Brennnessel die Vermehrung bestimmter Bakterien. Diese Praxis ist sogar gerichtsnotorisch: 1902 wurde eine Berliner Milchhändlerin auf Grund der Brennnesselblätter in ihrer Milch wegen Lebensmittelverfälschung angeklagt. Mit der Begründung, dass dies ein „allgemein geübtes Verfahren“ sei, wurde die Händlerin jedoch freigesprochen. In Mitteleuropa, unter anderem den Niederlanden, Luxemburg, Österreich und Deutschland, werden Brennnesseln auch als Zutat für Brennnesselkäse verwendet.

Noch heute gibt man ganze oder gehackte Brennnesseln als Vitaminträger in das Futter von Küken, Ferkeln und Kälbern, damit sie schneller wachsen; auch als ganze Pflanzen gibt man sie Hausschweinen in der biologischen Landwirtschaft gern als Beifutter.

Medizinische Nutzung / Homöopathie

Medizinische Nutzung

Allgemein unterstützt Brennnesseltee die Entschlackung und Ausscheidung von Giften, wirkt blutreinigend sowie gegen Rheumabeschwerden und Ödeme. Bei Gicht, Rheuma, Erkrankungen der Niere oder Blase, Prostatabeschwerden, altersbedingten Erschöpfungszuständen und wirkt stärkend und aufbauend nach Krankheiten. 3 Tassen Tee über den Tag verteilt einnehmen und reichlich Wasser dazu trinken. Überdosierung oder zu wenig zusätzliche Wasserzufuhr führt zur innerlichen Austrocknung. Gerade bei Kindern muss man hier besonders aufpassen.


Brennnesselwurzel:

Durch den Gehalt an beta-Sitosterin werden Beschwerden einer beginnenden Prostatahyperplasie, d.h. einer altersbedingten, gutartigen Großaufnahme der Vorsteherdrüse im Stadium I und II, gelindert. Rund die Hälfte aller Männer über 60 Jahren sind davon betroffen. Die Einnahme von Brennnesselwurzelpräparaten lindert die Beschwerden beim Wasserlassen. Die Größe der Prostata bleibt jedoch unbeeinflusst.


Brennnesselsamen:

Brennnesselsamen, innerlich eingenommen, verhelfen zu schönerem und glänzendem Haar. Viele LiebhaberInnen von langen Haaren mischen sich die Samen ins tägliche Müsli - zusammen mit Haferflocken. Die esslöffelweise Einnahme ist etwas gewöhnungsbedürftig. Man gibt es auch zur innerlichen Fellpflege in Pferdefutter. Man sagt, die Samen unterstützen die Muskulatur der Pferde. Im Hühnerfutter sollen sie für mehr Eier sorgen. Ebenso eignen sie sich als Zugabe für Vogelfutter. Brennnesselsamen sollen die sexuelle Lust steigern.


Brennnessel äußerlich:

Fußbäder helfen bei Durchblutungsstörungen, bei Herzkranzgefäßverengung macht man Waschungen. Hierfür nimmt man jeweils eine Doppelhand gut gewaschener und gebürsteter Wurzeln und frische Brennnesse l(Stengel und Blätter) und setzt sie über Nacht in 5 Liter kaltem Wasser an. Am nächsten Tag zum Kochen erhitzen. So warm man es vertragen kann, 20 Minuten darin die Füße baden. Die Brennnesseln bleiben während des Bades im Wasser. Dieses Bad kann man wiedererwärmt 2 - 3x verwenden

Verwechslungsgefahr (mit Giftpflanzen)

In nicht blühendem Zustand mit der weißen Taubnessel und anderen Nesselarten. Man merkt es am brennen. Was nicht brennt, ist keine Brennnessel. Die Verwechslung mit Taubnesseln ist jedoch nicht weiter schlimm da auch diese für den Verzehr genutzt werden können.

Beschreibung der Pflanze / Pflanzenbestimmung

Brennnessel-Arten wachsen als einjährige oder ausdauernde krautige Pflanzen, selten auch Halbsträucher. Sie erreichen, je nach Art, Standort und Nährstoffsituation, Wuchshöhen von 10 bis 300 Zentimetern bei den in Mitteleuropa vertretenen Arten. Die ausdauernden Arten bilden Rhizome als Ausbreitungs- und Überdauerungsorgane. Die grünen Pflanzenteile sind mit Brenn- sowie Borstenhaaren besetzt. Ihre oft vierkantigen Stängel sind verzweigt oder unverzweigt, aufrecht, aufsteigend oder ausgebreitet.
 
Die meist kreuz-gegenständig am Stängel angeordneten Laubblätter sind gestielt. Die Blattspreiten sind elliptisch, lanzettlich, eiförmig oder kreisförmig. Die Blattspreiten besitzen meist drei bis fünf, selten bis zu sieben Blattnerven. Der Blattrand ist meist gezähnt bis mehr oder weniger grob gezähnt. Die oft haltbaren Nebenblätter sind frei oder untereinander verwachsen. Die Zystolithen sind gerundet bis mehr oder weniger verlängert.
 
Bekannt und unbeliebt sind die Brennnesseln wegen der schmerzhaften Quaddeln (Schwellungen), die auf der Haut nach Berührung der Brennhaare entstehen. Je nach Brennnesselart unterscheiden sich die Folgen, so ist beispielsweise die Brennflüssigkeit der Kleinen Brennnessel (Urtica urens) wesentlich schmerzhafter als die der Großen Brennnessel (Urtica dioica).
 
Diese Brennhaare wirken als Schutzmechanismus gegen Fraßfeinde. Es sind lange einzellige Röhren, deren Wände im oberen Teil durch eingelagerte Kieselsäure hart und spröde wie Glas sind. Das untere, flexiblere Ende ist stark angeschwollen, mit Brennflüssigkeit gefüllt und in einen Zellbecher eingesenkt, die Spitze besteht aus einem seitwärts gerichteten Köpfchen, unter dem durch die hier sehr dünne Wand eine Art Sollbruchstelle vorhanden ist.
 
Das Köpfchen kann schon bei einer leichten Berührung abbrechen und hinterlässt eine schräge, scharfe Bruchstelle, ähnlich der einer medizinischen Spritzenkanüle. Bei Kontakt sticht das Härchen in die Haut des Opfers und sein ameisensäurehaltiger Inhalt (systematisch: Methansäure) spritzt mit Druck in die Wunde und verursacht brennenden Schmerz sowie oft auch Entzündungen und die erwähnten Quaddeln.

Bilder der Pflanze

Brennessel Illustration
Grafik mit freundlicher Genehmigung von Kurt Stübers (www.biolib.de)
Brennessel Blüte
von AnRo0002 (Eigenes Werk) [CC0], via Wikimedia Commons
Brennessel Blätter
von Jan Rehschuh (Eigenes Werk) CC-BY-3.0, via Wikimedia Commons

Verbreitung und Standorte

Die Gattung Urtica ist fast weltweit verbreitet. Nur in der Antarktis kommt keine Art vor. Von den etwa 30 Urtica-Arten kommen 14 in China vor. Hauptsächlich gedeihen sie in den Gemäßigten Gebieten, sowohl auf der Nord- als auch auf der Südhalbkugel. Aber es gibt auch Arten in den Gebirgen der Tropen.

 

Im deutschsprachigen Raum kommen vier Brennnessel-Arten vor: Die bekanntesten sind die zweihäusige Große Brennnessel (Urtica dioica) und die einhäusige Kleine Brennnessel (Urtica urens); außerdem existieren hier noch die Röhricht-Brennnessel (Urtica kioviensis) und die aus dem Mittelmeerraum eingeschleppte Pillen-Brennnessel (Urtica pilulifera), deren gelegentliche mitteleuropäische Vorkommen auf die Kulturflucht aus Kräutergärten zurückzuführen ist, in denen sie wegen ihrer schleimigen Samen kultiviert wurde.

 

Einige Arten sind sehr anspruchslos und besiedeln deshalb ein breites Spektrum an Habitaten.

Brennesel ernten | Ernte Tipps

Geerntet kann die Brennnessel von April bis Oktober werden. Verwendung findet die gesamte Pflanze. In der Küche sind dabei nur die frischen Blattspitzen und jungen Blätter verwendbar. Die Blätter sollten nach Möglichkeit während der Blüte oder kurz davor abgezupft werden. Anschließend werden diese an einem kühlen und trocknen Ort belassen und dort auch getrocknet. Bei der Ernte ist es ratsam, Handschuhe zu tragen.
 
Sammelzeit für Brennnesselsamen ist typischerweise von Juli bis in den Frühherbst. Im Juli sind die Samen noch grün. Später im August werden die Samen langsam dunkler und bekommen einen kräftigeren Geschmack. Die reifen dunklen Samen können in der Sonne oder im Backofen bei 50 Grad getrocknet werden. Danach sollten sie luftdicht gelagert werden. Sie können dann z.B. über Salate, Frischkornbrei, Brote oder Brötchen gestreut werden.

Geschichtliches / Wissenswertes

Die Heilwirkung der Brennnessel war im Altertum schon den Griechen bekannt. Schon die Kräuterbücher des Mittelalters erwähnen ihre Heilwirkungen ausführlich. Infolge ihrer brennenden Wirkung spielte die Pflanze auch im Aberglauben eine nicht unbedeutende Rolle.
 
Ein bedeutende Rolle bezüglich Ernährung spielt die Brennnessel besonders zu Notzeiten. Nach dem 2. Weltkrieg hat es ganze Landstriche ohne Brennnesseln gegeben. Gerade die Menschen aus den Städten kamen in Massen um Brennnesseln zu ernten und später zu verkochen. Mit dem Ende der Hungerszeiten wurde die Brennnessel verpönt. Auch heute noch erzählen viele, sie hätten niemals in ihrem Leben Brennnesseln essen müssen. Aber viele erinnern sich auch heute noch gut an die gute alte Brennnesselsuppe.

Trivialnamen/Synonyme/Volksnamen

Donnernettl, Große Neddeln, Haarnessel, Hanfnessel, Tissel, Zingel

Bestimmungshilfe (Video)

Beispielrezept(e) / Verwendungsmöglichkeit

Brennnesselcremesuppe:

 

 Für 4 Personen braucht Hex:

 Etwa 2 Hand voll Brennnesselspitzen

 1,5 – 2 l Gemüsebrühe,

 1 Tasse Gerstenmehl, fein gemahlen,

 etwa 100 ml Sonnenblumenöl, am besten nativ und kaltgepreßt

 1 Becher süße Sahne

 1 mittlere Zwiebel

 1 – 2 Knoblauchzehen nach Geschmack

 Salz, schwarzen Pfeffer frisch aus der Mühle

 Zitronensaft

 

Das Öl in einem großen Topf erhitzen, die fein gewürfelte Zwiebel darin glasig schwitzen, das Gerstenmehl dazugeben, glatt rühren und leicht anrösten. Die Gemüsebrühe zügig und unter Rühren dazugeben, den Knoblauch quetschen und dazugeben, mit Salz, Pfeffer und Zitronensaft würzen, bei geringer Hitze leise köcheln lassen und öfter umrühren.

 

Die Brennnesselspitzen waschen, etwas zerkleinern und zusammen mit der Sahne in einen Mixer geben. Solange mixen, bis die Brennnesseln fein pürriert sind und die Sahne schaumig aufgeschlagen ist. Wer keinen Mixer hat, hackt die Brennnesseln sehr fein, schlägt die Sahne und hebt die feingehackten Brennnesseln unter die geschlagene Sahne.

 

Wenn das Gerstenmehl im Suppentopf gut ausgequollen und die Suppe schön sämig ist, den Topf vom Herd nehmen und die Brennnesselsahne zugeben und gut untermischen. Die Suppe nochmals 5 Minuten ziehen lassen (mit geschlossenenm Deckel), nach bedarf nochmals abschmecken und sofort mit geröstetem Weißbrot, - besonders lecker ist Knoblauchbrot, - verspeisen.

Quellenangaben

Teile des Beitrages basieren auf dem Artikel "Bärlauch" aus der freien Enzklopädie Wikipedia und steht unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“.
 Nährwertangaben aus: Gu Nährwerttabelle
 Idee/Inhalte Kurzsteckbrief: kaesekessel.de
 Info Heilwirkung/Anwendungbereiche: heilkraeuter.de
 Kochrezept: kraeuterstube.at
 selbst zusammengefasstes Wissen aus Büchern (siehe Buchempfehlungen)

 Tipp da toll gemacht: www.pflanzen-vielfalt.at

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Worte & Zitate zum Nachdenken

"Lasse Nahrung deine Medizin sein und Medizin deine Nahrung!"


Zitat: Hippokrates (460-370 v.Chr.)