Knoblauchsrauke - Lebensmittel aus der Natur

Wild- und Wiesenkräuter - Essbare Medizin/Survival Nahrung

Themen-Übersicht Knoblauchsrauke

Knoblauchsrauke Kurzsteckbrief

Blütezeit: April - Juli
Vorkommen: Schattige Unkrautflure, Waldränder, Wege, Zäune, Parkanlagen, feuchte Böden in Sonne oder Halbschatten.
Verbreitung: In Europa weit verbreitet.
Sammelgut: Blätter mit Stengeln
Sammelzeit: März - Juni
Sammelvorschrift: Die Blätter und Sengel werden vor der Blüte gesammelt und entweder frisch verwendet, oder getrocknet. Die Pflanze hat einen knoblauchartigen Geruch.
Inhaltsstoffe: Senfölglycosid (verantwortlich für den knoblauchartigen Geruch), ätherische Öle, das Glukosid "Sinigrin", Mineralstoffe und weitere.
Heilwirkung: antibakteriell, schweisstreibend;
Anwendungsbereiche: Asthma, Bronchitis, Husten, Skorbut, Wunden, Würmer;

Knoblauchsrauke genauer betrachtet

Die Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata), auch Knoblauchskraut, Lauchkraut, Knoblauchhederich genannt, ist eine Pflanzenart, die zur Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae) gehört. Sie ist in Europa weit verbreitet. Die Trivialnamen beziehen sich auf den Knoblauchduft, der beim Zerreiben der Blätter entsteht. Sie ist in den meisten Büchern über Wild- & Wiesenkräuter zu finden und aus der Wildkräuterküche schwer wegzudenken.

Verwendung in der Küche / Survival Nahrung

Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata) wurde schon vor 4000 v. Chr. im Mesolithikum als Gewürz benutzt, wie Phytolithen an Scherben von Tontöpfen aus Neustadt in Holstein an der Ostsee und Stenø in Dänemark zeigen. Damit ist die Knoblauchsrauke das älteste bekannte einheimische Gewürz.

 

Im Mittelalter wurde die Knoblauchsrauke mit ihrem pfeffrig-knoblauchartigen Geschmack vor allem von der ärmeren Bevölkerung genutzt, die sich die teuren Gewürze nicht leisten konnte. Sie wurde im Mittelalter aus diesem Grund sogar in Gärten angebaut. Zum Essen werden die Blätter von April bis Juni gesammelt. Der Engländer John Evelyn, der 1699 ein Kochbuch "Acetaria, a Discourse on Sallets" schrieb, nannte die Pflanze unter anderem "Jack-by-the hedge" – was als Hinweis auf ihre Häufigkeit zu verstehen ist – sowie "Alliaria" und "sauce alone". Des Weiteren wies er darauf hin, dass die Pflanze viele wertvolle medizinische Eigenschaften habe und "besonders von Leuten auf dem Lande als Salat gegessen werde, wo sie wild unter Bänken und Hecken wachse". Auch heute werden die jungen Blätter der Knoblauchsrauke in England noch häufig für Sandwichfüllungen verwendet.

 

Der scharfe Geschmack der Knoblauchsrauke ist auf ätherische Öle und das Glukosid Sinigrin zurückzuführen, das den Glukosiden ähnelt, die in anderen Mitgliedern der Kohlfamilie zu finden sind. Beim Kochen verflüchtigt sich allerdings der pfeffrig-knoblauchartige Geschmack. Knoblauchsrauke muss daher Speisen in rohem Zustand beigegeben werden. Die moderne Kräuterküche hat die Knoblauchsrauke wiederentdeckt und mischt die feingehackten Blätter in Salatsoßen und Quark- oder Frischkäsemischungen. Darüber hinaus werden die geschmacksintensiven Blüten verwendet, um salzige Sorbets und Salate zu dekorieren. Die schwarzen Samen der Knoblauchsrauke lassen sich ähnlich wie Pfefferkörner verwenden und haben einen sehr scharfen Geschmack.

Medizinische Nutzung / Homöopathie

Die Knoblauchsrauke wurde früher zu Heilzwecken verwendet. Sie wirkt antiseptisch, leicht harntreibend und schleimlösend. Man sagt ihr darüber hinaus auch antiasthmatische Eigenschaften nach. In der Volksmedizin wurden aus den Blättern Breiumschläge zur Behandlung von Insektenstichen und Wurmerkrankungen hergestellt.

Verwechslungsgefahr (mit Giftpflanzen)

Vor der Blüte mit Nesseln und entfernt mit einigen Storchenschnäbeln. Unterscheidung: Geruch. Die Knoblauchrauke riecht beim reiben eindeutig nach Knoblauch.

Beschreibung der Pflanze / Pflanzenbestimmung

Erscheinungsbild und Blatt: Die Knoblauchsrauke ist eine zwei- bis mehrjährige krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 20 bis 100 Zentimetern erreicht. Sie besitzt eine lange Pfahlwurzel. Der Stängel ist schwach vierkantig, im basalen Bereich entwickelt er eine schwache Behaarung. Die lang gestielten, nierenförmigen Grundblätter sind am Rand buchtig gekerbt. Die Stängelblätter sind wechselständig angeordnet. Sie weisen eine herzförmige Blattspreite mit gekerbtem Rand auf.
 
Blütenstand und Blüte: Die Knoblauchsrauke blüht von April bis Juli. In einem endständigen, traubigen Blütenstand sitzen viele Blüten.
 
Die zwittrigen Blüten sind, wie für Kreuzblütler typisch, vierzählig sowie 5 bis 8 Millimeter groß. Die vier Kronblätter und vier weißen Kelchblätter sind frei. Die Blüten besitzen sechs Staubblätter, von denen die zwei seitlichen deutlich kürzer sind. Am Blütenboden, am Grund der Staubblätter, sind ringförmig die Nektardrüsen angeordnet. Der Fruchtknoten ist grün und schlank und durch eine Scheidewand in zwei Fächer geteilt.
 
Frucht und Samen: Der befruchtete Fruchtknoten entwickelt sich zu einer Schote von drei bis sieben Zentimetern Länge. Die Schote ist dünn, im unreifen Zustand grün und mit nur zwei Millimetern Durchmesser nicht wesentlich dicker als der vormalige Blütenstiel. Sie enthält in jedem der zwei Fächer sechs bis acht Samen, die jeweils nur etwa drei Millimeter lang und ausgereift von schwarzbrauner Farbe sind.
 
Mit zunehmender Reife verändert sich aufgrund des dann stattfindenden Austrocknungsprozesses die Farbe der Schote von grün zu hellbraun. Ist die Schote voll ausgereift, reißen die beiden Fruchtklappen von unten nach oben allmählich auf und fallen schließlich ab. Die Samen werden dabei noch nicht verstreut. Sie sind mit kurzen Stielen an der Scheidewand der Schote befestigt.

Bilder der Pflanze

Knoblauchsrauke Illustration
Grafik mit freundlicher Genehmigung von Kurt Stübers (www.biolib.de)
Knoblauchsrauke Blüte
von AnRo0002 (Eigenes Werk) [CC0], via Wikimedia Commons
Knoblauchsrauke Blätter
von AnRo0002 (Eigenes Werk) [CC0], via Wikimedia Commons

Verbreitung und Standorte

Die Knoblauchsrauke wächst wild in den meisten Teilen Europas und Vorderasiens und kommt stellenweise auch in Nordafrika vor.
 
Sie ist eigentlich eine Pflanzenart der Laubwälder, gedeiht aber besonders gut in Gebüschen und Hecken sowie an Mauern und Wegrainen, in Gärten und auf Schuttplätzen (Ruderalstellen). Sie befindet sich dort häufig in der Gesellschaft von Brennnesseln. Wie diese schätzt sie frische, stickstoffreiche Lehmböden. Heute ist sie häufig auch in schattigen Parkanlagen und in Gehölzen im städtischen Raum zu finden. Die Knoblauchsrauke ist ein Stickstoffzeiger und eine Halbschattenpflanze. Auch in Astgabeln von Bäumen kann sie epiphytisch wachsen.
 
Die Pflanze tötet Mykorrhizapilze ab, von denen wiederum Keimlinge von Bäumen abhängen; dies ist ein Beispiel für Allelopathie.
 
Die Knoblauchsrauke ist in Nordamerika ein Neophyt, der als invasive Pflanze gilt. Sie ist vermutlich durch europäische Siedler bewusst als Küchenkraut und Heilpflanze nach Nordamerika verschleppt worden (so genannte Ethelochorie).

Knoblauchsrauke ernten | Ernte Tipps

Die Pflanze kann zwischen Mai und Juli gesammelt werden. Für die Verwendung in der Küche sollten die jungen Blätter im Frühjahr geerntet werden. Ansonsten erfolgt das Sammeln während der Blütezeit. Die Knoblauchsrauke sollte im frischen Zustand verwendet werden, da die getrockneten Teile an ihrer therapeutischen Wirkung verlieren.

Geschichtliches / Wissenswertes

Früher oft in Bauerngärten kultiviert und als Gemüse verwendet. Im Mittelalter soll die Knoblauchsrauke als Ersatz für Salz in Suppen verwendet worden sein und fand wohl vor allem in der Küche der Armen Verwendung, denen das Geld für die damals sehr teuren Gewürze fehlte. Über Heilwirkungen findet man in Kräuterbüchern so gut wie garnichts.

Trivialnamen/Synonyme/Volksnamen

Alliaria officinalis, Knoblauchhederich, Knoblauchrauke, Knoblauchskraut, Lauchhederich, Lauchkraut

Bestimmungshilfe (Video)

Beispielrezept(e) / Verwendungsmöglichkeit

Brotaufstrich

 

 Zutaten: 1 große Handvoll frisch Knoblauchsrauke

 Meersalz

 250 g Frischkäse

 2 Essl. Vollmilch-Joghurt, ersatzweise fettarmen Schmand

 1/2 Teel. körnigen Senf

 

 Zubereitung: Die gepflückten Kräuter gut waschen, abtropfen lassen und

 fein wiegen. Frischkäse mit Jogurt glatt rühren und Knoblauchsrauke

 untermischen. Mit Salz und Senf abschmecken. Am besten über Nacht im

 Kühlschrank stehen lassen, dann entfaltet sich der Knoblauchgeschmack und hat eine besondere, angenehme Schärfe.

Quellenangaben

Teile des Beitrages basieren auf dem Artikel "Knoblauchsrauke" aus der freien Enzklopädie Wikipedia und steht unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“.
 Nährwertangaben aus: Gu Nährwerttabelle
 Idee/Inhalte Kurzsteckbrief: kaesekessel.de
 Info Heilwirkung/Anwendungbereiche: heilkraeuter.de
 Rezept(e) / Verwendungsmöglichkeit: wildkraeuterkunde.de
 selbst zusammengefasstes Wissen aus Büchern (siehe Buchempfehlungen)

 Tipp da toll gemacht: www.pflanzen-vielfalt.at

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Worte & Zitate zum Nachdenken

"Lasse Nahrung deine Medizin sein und Medizin deine Nahrung!"


Zitat: Hippokrates (460-370 v.Chr.)