Nachtkerze - Nahrungsmittel aus der Natur

Wild- und Wiesenkräuter - Essbare Medizin/Survival Nahrung

Themen-Übersicht Nachtkerze

Nachtkerze Kurzsteckbrief

Blütezeit: Juni - September
Vorkommen: Aus Nordamerika eingeschleppt. Fast in ganz Europa verbreitet bis über 1000 m Höhe
Verbreitung: Flussufer, Bahndämme, Ruderalstellen, Ödland, Weg- und Straßenböschungen
Sammelgut: Wurzeln, Blätter, Samen, Sprossenspitzen
Sammelzeit: Wurzeln im ersten Jahr im Herbst oder im darauf folgenden Frühjahr bis vor der Blüte.
Die Samen im zweiten Jahr zur völligen Reife im Sommer. Blätter zur Blütezeit
Sammelvorschrift: Die Blätter werden in einem luftigen Raum entweder gebündelt aufgehängt, oder dünn auf einem Tuch ausgebreitet und bei etwa 40°C getrocknet
Die Wurzeln werden gereinigt und frisch verarbeitet. Das Gleiche gilt für die Blüten
Samen werden wie Blätter auf einem Tuch getrocknet.
Inhaltsstoffe: Gerbstoffe, Phytosterin, Harz, Zucker, Die Samen enthalten ungesättigte Fettsäuren mit 8 - 14%, Gammalinolensäure 10% und 60 - 80% Linolsäure. Keine andere Pflanze hat einen solch hohen Anteil.
Heilwirkung: Blätter: adstringierend, beruhigend,
Wurzeln: stärkend;
Anwendungsbereiche: Blätter: Durchfall, Husten, Asthma, Bluthochdruck, Gicht, Ekzem, Quetschung, Magenbeschwerden, Darmbeschwerden, Prämenstruelles Syndrom, Wechseljahrsbescherden;
Samen: Arteriosklerose, Hautprobleme, Ekzeme;
Wurzeln: Rekonvaleszenz;

Nachtkerze genauer betrachtet

Die Gemeine Nachtkerze (Oenothera biennis), auch als Gewöhnliche Nachtkerze bezeichnet, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Nachtkerzen (Oenothera) innerhalb der Familie der Nachtkerzengewächse (Onagraceae). Sie zählt in Mitteleuropa zu den eingebürgerten Neophyten, da sie um 1620 als Zierpflanze von Nordamerika nach Europa eingeführt wurde. Mittlerweile ist sie in Europa so weiträumig verbreitet, dass sie von den meisten Menschen als einheimische Art wahrgenommen wird.

Verwendung in der Küche / Survival Nahrung

Im Volksmund wird die Nachtkerze auch „Schinkenwurz“ genannt, da sich ihre Wurzeln beim Garen rötlich verfärben. Ihre weite Verbreitung in Europa ist vor allem auf ihren im 18. Jahrhundert und 19. Jahrhundert häufigen Anbau als Gemüsepflanze zurückzuführen. Alte Sprichwörter behaupteten, dass ein Pfund der Nachtkerzenwurzel so viel Kraft gebe wie ein Zentner Ochsenfleisch. Die Gemeine Nachtkerze zählt deshalb bis heute zu den typischen Pflanzenarten des Bauerngartens, auch wenn sie heute nur noch als Zierpflanze angebaut wird.


Neben den rübenförmigen Pfahlwurzeln sind auch die Blätter, Blüten und Samen essbar. Die Wurzeln kocht man wie Schwarzwurzeln oder Pastinaken in Fleischbrühe; sie werden gelegentlich auch in Scheiben geschnitten und mit Essig und Öl angemacht. Geerntet werden die Wurzeln vom Herbst des ersten Jahres (Rosettenstadium) bis zum Frühjahr. In der modernen Küche werden die Blütenblätter gelegentlich als essbare Dekoration verwendet.


In einigen Regionen wie beispielsweise in Masuren verwendete man die Wurzeln und Blätter auch als Schweinefutter.

Medizinische Nutzung / Homöopathie

Bereits die nordamerikanischen Indianer verwendeten die Gemeine Nachtkerze als Heilpflanze.

In der Naturheilkunde hat heute vor allem das Nachtkerzenöl eine Bedeutung. Dieses aus den Samen gewonnene Öl wird zur Behandlung und zur symptomatischen Erleichterung bei Neurodermitis innerlich eingesetzt. Es enthält große Mengen an Linolsäure, die im menschlichen Körper in Gamma-Linolensäure umgewandelt wird. Aus ihr bildet der Körper über weitere Zwischenschritte Prostaglandin E1. Aufgrund einer mangelhaften Enzymaktivität der Delta-6-Desaturase soll bei Neurodermitikern ein Mangel an Gamma-Linolensäure bestehen. Die im Nachtkerzenöl in einer Konzentration zwischen 8 bis 14 % enthaltene Gamma-Linolensäure ermöglicht die vermehrte Produktion des antiinflammatorisch wirksamen Prostaglandins E1 ohne Delta-6-Desaturase-vermittelte Umwandlung der cis-Linolsäure in die Gamma-Linolensäure. Da Nachtkerzenöl sehr teuer ist, wird als Ersatz zunehmend Hanföl verwendet.


Nach einer eine Metaanalyse über 27 Studien zur Wirksamkeit von Nachtkerzenöl kommt die Cochrane Collaboration 2013 jedoch zur abschließenden Bewertung, dass sowohl Nachtkerzenöl als auch das ebenfalls Gamma-Linolensäure-reiche Borretschöl bei oraler Einnahme keinerlei über einen Placeboeffekt hinausreichende Wirkung hat.


Nebenwirkungen:

In der Schwangerschaft und Stillzeit mit dem Arzt Rücksprache halten.

Gelegentlich können Übelkeit, Durchfall und Kopfschmerzen auftreten und ganz selten sind auch allergische Reaktionen beobachtet worden.

Bei Epilepsie ist erhöhte Vorsicht geboten.

Dies gilt nicht nur für die innerliche Anwendung sondern auch für eine äußerliche Anwendung, da nicht nachgewiesen ist, inwieweit der Wirkstoff durch die Haut aufgenommen wird.

Verwechslungsgefahr (mit Giftpflanzen)

Mit anderen Nachtkerzenarten

Beschreibung der Pflanze / Pflanzenbestimmung

Erscheinungsbild und Blatt

Die Gemeine Nachtkerze ist eine zweijährige krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 0,8 bis 1,8, bei idealem Standort bis zu 2 Meter erreicht. Sie bildet im ersten Jahr eine auf dem Boden aufliegende Blattrosette mit fleischiger Pfahlwurzel. Im zweiten Jahr erhebt sich daraus ein grüner oder im unteren Bereich rötlich überlaufer, ungetupfter Stängel, dieser ist einfach oder spärlich verzweigt und dicht bis spärlich behaart.

Die grundständigen und wechselständig am Stängel verteilt stehenden Laubblätter sind sitzend oder kurz gestielt und hell- bis mittelgrün. Die Blattspreiten der Grundblätter sind 10 bis 30 Zentimeter lang und meist 2 bis 5 Zentimeter breit. Die Blattspreiten der Stängelblätter sind bei einer Länge von 5 bis 22 Zentimeter und einer Breite von meist 1,5 bis 5 (1 bis 6) Zentimeter schmal verkehrt-lanzettlich bis elliptisch mit spitzer bis zugespitzter Spreitenbasis und spitzem oberen Ende. Der Rand der Stängelblätter ist gezähnt bis fast glatt, oft gelappt in der Nähe der Spreitenbasis. Es sind ein roter Mittelnerv und undeutliche Seitennerven vorhanden.


Blütenstand und Blüte

In einem meist unverzweigten, dichten, ährigen Blütenstand an einer geraden, drüsig behaarten Blütenstandsachse stehen viele Blüten zusammen. In der Achsel eines Tragblattes sitzt je eine Blüte. Die Blütenknospen sind grün.

Die zwittrige Blüte ist radiärsymmetrisch und vierzählig mit doppelter Blütenhülle. Der Blütenbecher (Hypanthium) ist selten 2 bis, meist 2,5 bis 4 Zentimeter lang. Auf ihm stehen die Kelch- und Kronblätter. Die vier grünen bis mehr oder weniger gelben, selten mehr oder weniger roten Kelchblätter sind meist 1,2 bis 2,2, selten bis zu 2,8 Zentimeter lang verwachsen und die nach unten gekrümmten Kelchzipfel sind 1,5 bis 3 Millimeter lang. Die vier Kronblätter sind meist 1,2 bis 2,5, selten bis zu 3 Zentimeter lang und 2,4 bis 3,5 Zentimeter breit. Die Kronblätter sind intensiv gelb und verfärben sich beim Verwelken orangefarben. Es sind zwei Kreise mit je vier Staubblättern vorhanden. Die Staubbeutel sind meist 3 bis 6, selten bis zu 9 Millimeter lang. Tief unten im engen Blütenbecher befindet sich der vierfächerige, unterständige, behaarte Fruchtknoten. Der mehrere Zentimeter lange (ähnlich lang wie die Staubblätter) Griffels endet in vier Narben.


Frucht und Samen

Die junge Frucht ist mit Drüsenhaaren und spitzen Haaren bedeckt. Die sitzende, lokulizide Kapselfrucht ist bei einer Länge von 2 bis 4 Zentimeter und einem Durchmesser von 4 bis 6 Millimeter zylindrisch und mehr oder weniger gerade. Die Samen stehen in zwei Reihen je Fruchtfach. Die 1,1 bis 2 Millimeter großen, kantigen Samen besitzen eine braune bis fast schwarze und unregelmäßig genarbte Oberfläche.

Bilder der Pflanze

Nachtkerze Illustration
Grafik mit freundlicher Genehmigung von Kurt Stübers (www.biolib.de)
Nachtkerze Blüte
von Danny Steaven (Eigenes Werk) CC-BY-1.0, via Wikimedia Commons
Nachtkerze Blätter
von AnRo0002 (Eigenes Werk) [CC0], via Wikimedia Commons

Verbreitung und Standorte

Die ursprüngliche Heimat der Gemeinen Nachtkerze ist das östliche und zentrale Nordamerika.
Die Gemeine Nachtkerze wurde ähnlich wie andere Nachtkerzenarten im 17. Jahrhundert als Zierpflanze nach Europa und andere gemäßigte Gebiete der Welt eingeführt (so genannte Ethelochorie). Aufgrund ihrer späten Einführung nach Europa zählt sie zu den hemerochoren Neophyten. Bereits für das Jahr 1623 ist ihr Anbau nahe Paris belegt. 1660 wurde sie in Altdorf und 1668 in Halle angepflanzt und als Lysimachia virginina major fl. amplo bezeichnet. Als reine Zierpflanze fand sie bereits weite Verbreitung. Nachdem man entdeckt hatte, dass ihre Wurzeln und Blätter essbar waren, baute man diese Art vielerorts in den Küchengärten als Gemüse an. Als Gartenflüchtling verwilderte diese Pflanze sehr schnell. Bereits 1766 beschrieb man sie in Brandenburg als Unkraut. Hybridisationen mit anderen Nachtkerzenarten haben zu einer großen Anzahl schwer unterscheidbarer Kleinarten geführt. Ihre heutige Verbreitung verdankt sie meist einer ungewollten Verschleppung (so genannte agochore Ausbreitung), da ihre Samen häufig mit ins Frachtgut gelangen. Auch in vielen gemäßigten Gebieten der Welt ist Oenothera biennis ein Neophyt.


Als Standort benötigt die Gemeine Nachtkerze einen trockenen, nicht zu nahrhaften, aber möglichst kalkhaltigen Boden. In ganz Europa, Vorderasien und Ostasien ist sie an sogenannten Ruderalplätzen wie Wegrändern, Kies- und Sandgruben, Steinbrüchen und Schotterbänken zu finden. Aufgrund ihrer Verbreitung entlang von Eisenbahnlinien wird sie gelegentlich auch als „Eisenbahnpflanze“ bezeichnet.

Nachtkerze ernten | Ernte Tipps

Als gesunde Nahrungsergänzung können wir die ausgereiften Samen im Herbst sammeln. Das geht ganz einfach, wenn wir die trockenen Stängel vorsichtig mit einer Schere abschneiden und die Samen kopfüber in einen großen selbst gebastelten Papiertrichter rieseln lassen. Die gesunden Körnchen schmecken angenehm nussig und passen gut ins Müsli oder den Salat. Wenn die Samen im nächsten Frühling in der Erde keimen können, wachsen wieder die rotgeränderten Blätter in Rosettenform für einen gut schmeckenden Salat.

Geschichtliches / Wissenswertes

Schon die Indianer in Nordamerika schätzten die Nachtkerze bereits vor über 500 Jahren. Sie nutzten sie als Heilmittel und aßen die Wurzeln als kräftigendes Gemüse. Die Nachtkerzenarten haben bei der Erforschung der Gesetzmäßigkeiten der Vererbung eine große Rolle gespielt.

Trivialnamen/Synonyme/Volksnamen

Eierblume, Gelber Nachtschatten, gelbe Rapunzel, Härekraut, Nachtschlüsselblume, Rapontika, Rapunzel, Schinkenkraut, Rübenwurzel, Stolzer Heinrich, Weinblume

Bestimmungshilfe (Video)

Beispielrezept(e) / Verwendungsmöglichkeit

Nachtkerzengemüse

750 g Nachtkerzenwurzeln


1 El Mehl

Etwas Essig

Salz

Zitronensaft

30 g Butter

Petersilie


Essig mit kaltem Wasser mischen. Die Nachtkerzenwurzeln säubern und schaben, in Stücke schneiden und in das Essigwasser geben. Herausnehmen und in heißem Salzwasser mit einem Schuss Zitronensaft dämpfen bis sie gar sind.


Variante: Statt Salzwasser kann man auch Fleischbrühe nehmen.

Aus dem Kochwasser macht man eine Mehlschwitze. Dafür gibt man die Butter in eine Pfanne, lässt sie dort leicht brutzeln, rührt das Mehl ein und schüttet dann unter gutem Rühren das Kochwasser dazu. Mit Gewürzen abschmecken.

Quellenangaben

Teile des Beitrages basieren auf dem Artikel "Gemeine Nachtkerze" aus der freien Enzklopädie Wikipedia und steht unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“.
 Nährwertangaben aus: Gu Nährwerttabelle
 Idee/Inhalte Kurzsteckbrief: kaesekessel.de
 Info Heilwirkung/Anwendungbereiche:heilkraeuter.de
 Ernte-Tipp: www.elisabeth-horbach.de/nachtkerze.html
 Beispielrezept: www.kaesekessel.de/kraeuter/n/nachtkerze.htm
 selbst zusammengefasstes Wissen aus Büchern (siehe Buchempfehlungen)

 Tipp da toll gemacht: www.pflanzen-vielfalt.at

Weiter mit dem Wild- / Wiesenkraut ...

Schafbarbe
Schafgarbe

Schafgarbe genauer betrachtet

Die Schafgarben (Achillea) sind eine Pflanzengattung in der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Ihr botanischer Name Achillea leitet sich von dem griechischen Helden Achilles ab, von dem ...


Worte & Zitate zum Nachdenken

"Lasse Nahrung deine Medizin sein und Medizin deine Nahrung!"


Zitat: Hippokrates (460-370 v.Chr.)