Walderdbeere - Nahrungsmittel aus der Natur

Wild- und Waldfrucht - Essbare Medizin/Survival Nahrung

Themen-Übersicht Walderdbeere

Walderdbeere Kurzsteckbrief

Blütezeit: Mai - Juni
Vorkommen: Die Walderdbeere wächst auf allen Böden von der Ebene bis zur Waldgrenze. Lichte Stellen auf nährstoffreichen Böden von Wäldern, Hecken, Waldränder, Waldwege, Holzschläge
Verbreitung: Europa, gemässigter asiatischer Raum
Sammelgut: Blätter, Früchte, Wurzeln
Sammelzeit: Blätter: Mai - Juni | Früchte: Juni - Juli | Wurzeln: Herbst oder Frühling
Sammelvorschrift: Die Blätter mit den Stielen werden gepflückt und an einem schattigen, luftigen Ort zum Trocknen ausgebreitet. Die Droge hat einen leicht zusammenziehenden Geschmack und ist geruchlos.
Wurzeln werden ausgegraben, gereinigt und an einem luftigen, trockenen Ort möglichst schnell getrocknet.

Wer die Heilwirkung der Erdbeerblätter wünscht, sammelt kurz vor oder zu Beginn der Blütezeit. Als Haustee kann man sie in ganz jungem Zustand ernten, dann haben sie ihre Gerbstoffe noch nicht entwickelt.

Die Früchte werden geerntet wenn sie reif sind. Die beste Heilwirkung der Erdbeere haben die Früchte. Da Walderdbeeren unreif nicht gut schmecken und sehr schnell überreif werden und faulen oder von Schnecken gefressen werden, kann man sie in leicht angerötetem Zustand pflücken und kühl gelagert nachreifen lassen. Am bestem sind sie aber, wenn sie an der Pflanze voll ausreifen durften.
Inhaltsstoffe: Blätter: Gerbstoff, wenig ätherisches Öl, Vitamin C und Flavonoide.
Wurzeln: Sehr viel Gerbstoff
Früchte: Fruchtsäuren, viel Vitamin C und weitere Vitamine, Mineralstoffe wie Eisen, Kalium, Kalzium, Kobalt, Kupfer, Magnesium, Mangan, Phosphor und Zink
Heilwirkung: stopfend, beruhigend, blutdrucksenkend, blutreinigend, leber- und gallewirksam;
Anwendungsbereiche: Früchte
Die Früchte der Walderdbeere werden in der Volksmedizin bei Herzbeschwerden, Leber und Gallenleiden, Nervenschwäche, hohem Blutdruck und zu dickes Blut, Fieber, Steinleiden, Blutarmut und Energiemangel, sowie Gicht, Rheuma, Akne und chronischer Verstopfung angewendet und sollen Würmer vertreiben. Die positive Wirkung auf Galle und Leber wurde von der modernen Wissenschaft bestätigt.

Blätter und Wurzeln
Die Blätter und Wurzeln wirken zusammenziehend und eignen sich somit zum Spülen von Entzündungen, Magen- und Darmstörungen und vor allem gegen Durchfälle, haben aber auch schon bei Gelbsucht geholfen. Laut alter Kräuterbücher werden die Blätter auch bei Hämorrhoiden, Milz- und Frauenbeschwerden, Astma, chronischer Bronchitis und Wassersucht verwendet.

Walderdbeere eregenauer betrachtet

Die Wald-Erdbeere (Fragaria vesca), verbreitet auch Monatserdbeere genannt, gehört zu den Rosengewächsen (Rosaceae). Sie wächst verbreitet an Waldrändern und auf Lichtungen. Die Wald-Erdbeere dient dem Menschen schon lange als Nahrung, was auch die botanische Artbezeichnung ausdrückt (vesca = essbar). Sie wird außerdem als Heilpflanze verwendet und wurde in der mittelalterlichen Malerei als Symbolpflanze häufig abgebildet.
 
Die Wald-Erdbeere ist diploid und nicht die Wildform der Gartenerdbeere. Diese ist eine Kreuzung zwischen der Chile-Erdbeere und der Scharlach-Erdbeere, die beide aus Amerika stammen.

Verwendung in der Küche / Survival Nahrung

„Die Köch seind der Erdbeeren auch gewar worden, machen gute Müßlein darauß“, schrieb Hieronymus Bock über die Walderdbeere. Aus archäologischen Funden weiß man, dass Walderdbeeren schon lange zu den von Menschen gesammelten Früchten gehören. In der Antike wurden sie von römischen Dichtern gepriesen. Ovid, Plinius und Vergil haben dieser Pflanze bereits Zeilen gewidmet. Im Mittelalter wurden Walderdbeeren ab dem 14. Jahrhundert großflächig angebaut, ohne jedoch die Fruchtgröße merklich steigern zu können. Die Entdeckung der großfrüchtigeren Chile-Erdbeere (F. chiloensis) und die darauffolgende Kreuzung mit der amerikanischen Scharlach-Erdbeere (F. virginiana) führten dazu, dass die Walderdbeere seit dem 18. Jahrhundert fast nicht mehr kultiviert wurde. Später züchtete man wieder mit der Walderdbeere, wodurch als Kulturform der Walderdbeere die Monatserdbeere entstand.

 

Mit Walderdbeeren werden auch heute noch gelegentlich Konfitüren und Marmeladen aromatisiert. Die grünen Kernchen der Früchte enthalten einen Bitterstoff, der erst nach ein paar Minuten beim Kochen zum Vorschein kommt. Konfitüre ausschließlich aus Walderdbeeren kann dadurch bitter schmecken.

 

Inhaltsstoffe

Erdbeerblätter enthalten kondensierte Gerbstoffe, Ellagitannine wie Peduncluagin und Agrimoniin, sowie Flavonoide und Leukoanthocyane. Ascorbinsäure ist nur in wenigen Mengen und ätherisches Öl nur in sehr geringen Mengen vorhanden.

Medizinische Nutzung / Homöopathie

In der Antike war die Erdbeere als Heilpflanze unbekannt. Auch in den mittelalterlichen Kräuterbüchern wird sie nur vereinzelt aufgeführt. Große Beachtung fand sie dagegen in der Volksmedizin und im Volksglauben. Aufgrund des Gerbstoffgehaltes werden Erdbeerblätter als Heilmittel bei Durchfall verwendet. Die jüngeren Blätter der Pflanze werden auch als Ersatz für Schwarzen Tee verwendet. Zur Teebereitung wird ein Gramm fein geschnittene Droge mit kochendem Wasser übergossen und nach fünf bis zehn Minuten abgeseiht. Bei Durchfall soll mehrmals täglich eine Tasse getrunken werden.
 
In der aktuellen Ausgabe des Deutschen Arzneimittel Codex 2008 sind Erdbeerblätter als Fragariae folium monographiert. Das Bundesgesundheitsamt beurteilt die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit wie folgt:
 
„Da die Wirksamkeit bei den beanspruchten Anwendungsgebieten nicht ausreichend belegt ist, kann eine therapeutische Anwendung nicht befürwortet werden. Gegen eine Anwendung als Fülldroge in Teemischungen bestehen keine Einwände. Die Anwendung von Erdbeerblättern als Teedroge ist im Übrigen dem Lebensmittelbereich zuzuordnen.“
 
Carl von Linné, der berühmte schwedische Botaniker, der im 18. Jahrhundert lebte, soll sich durch eine Kur mit Erdbeerblättertee und frischen Walderdbeeren von der Gicht befreit haben.

Verwechslungsgefahr (mit Giftpflanzen)

So lange die Erdbeere noch nicht blüht, kann man sie mit einer ganzen Menge von Blättern im Wald verwechseln. Wer die Erdbeere aber mal kennt, verwechselt sie nicht mehr. Wer sich unsicher ist sollte also bis zur Blüte warten und sich die Erdbeerbeete in den Kleingärten mal genau ansehen.

Beschreibung der Pflanze / Pflanzenbestimmung

Die Wald-Erdbeere ist eine krautige, mehrjährige und wintergrüne Pflanze. Sie wird meist 5 bis 25 cm hoch und ist damit im Wuchs kleiner als die Gartenerdbeere. Die Stängel der rosettenförmigen Pflanze tragen jeweils nur wenige weiße, zwittrige, radiärsymmetrische, fünfzählige Blüten, die in den Monaten April bis Juni erscheinen und im Laufe des Sommers heranreifen. Bei ausreichend starkem Sonneneinfall tragen einzelne Pflanzen auch bis zum Winterfrost Blüten und Früchte. Jeweils fünf kleine Außenkelchblätter umgeben eine Blüte. Ein zweiter, alternierender Kreis wird von den eigentlichen Kelchblättern gebildet. Die Blüte hat fünf weiße Kronblätter. In der Mitte der Blüte befinden sich etwa 20 gelbe Staubblätter. In ihrem Zentrum befinden sich die Fruchtblätter, die eine gelbgrüne Farbe haben. Die Blüten sind vorweiblich, womit die Pflanze eine Selbstbestäubung verhindert. Eine Verwechslungsmöglichkeit besteht mit der Indischen Scheinerdbeere, die eine ähnlich aussehende Frucht hat.

Bilder der Pflanze

Walderdbeere Illustration
Grafik mit freundlicher Genehmigung von Kurt Stübers (www.biolib.de)
Walderdbeere Blüte
von AnRo0002 (Eigenes Werk) [CC0], via Wikimedia Commons
Walderdbeere Blätter
von Schnobby (Eigenes Werk) CC-BY-SA-3.0, via Wikimedia Commons

Verbreitung und Standorte

Die Wald-Erdbeere ist in ganz Europa und Nordasien beheimatet. Sie wächst bevorzugt in lichten Laub- und Nadelwäldern sowie entlang der Waldränder. Die Wald-Erdbeere bevorzugt sonnige bis absonnige Standorte und benötigt feuchte, aber gut durchlässige, nährstoff- und humusreiche Böden.

Walderdbeere ernten | Ernte Tipps

Die Ernte beginnt im Mai und dauert bis in den August hinein. Die Blätter werden dabei von Mai bis Juni gesammelt. Sie werden dann im Schatten getrocknet. Die Aufbewahrung muss lichtgeschützt und trocken erfolgen. Die roten Früchte werden während des Sommers gesammelt. Zum Ende des Sommers oder Anfang des Herbsts werden dann die Wurzelstöcke ausgegraben. Anschließend werden diese gewaschen und in Stücke geschnitten. Sie können dann in der Sonne oder im Backofen bei mittlerer Hitze getrocknet werden.

Geschichtliches / Wissenswertes

Die Menschen haben schon in der Jungsteinzeit Walderdbeeren gesammelt und gegessen. Dies zeigen Funde in Kulturschichten des Federsees und des Bodensees. Über die Erdbeere als Wildfrucht wurde in historischen Schriften der Römer und Griechen geschrieben.


Die Kultivierung der Erdbeere begann aber erst im 14. Jahrhundert, wie in der französischen Literatur aufgezeigt wird. Damals wurde die Walderdbeere in den Gärten Europas kultiviert. Es existierten unterschiedliche Sorten der Walderdbeere. Die wichtigste Sorte war die sogenannte Monatserdbeere. Im Unterschied zu den anderen einmalblühenden Sorten bildete die Monatserdbeere von April bis Oktober Blüten, sie war also remontierend.

 

Die Wald-Erdbeere in Mythen und Sagen

In zahllosen Mythen, Sagen und Märchen spielt die Walderdbeere eine Rolle. In der germanischen Mythologie ist die Walderdbeere mit der Göttin Frigga verknüpft. Sie soll die toten Kinder in Erdbeeren versteckt haben, um sie dann unentdeckt mit nach Walhall nehmen zu können. Dieser Glaube hat sich später auf die Gottesmutter Maria übertragen. Legenden behaupten, dass Maria einmal im Jahr vom Paradies auf die Erde herabsteige, um dort Erdbeeren für die verstorbenen und nun im Paradies lebenden Kinder zu sammeln. Für einige Regionen wird daher überliefert, dass eine Frau, der ein Kind verstorben sei, daher keine Erdbeeren essen solle.

 

Erdbeeren tauchen in einem der von den Gebrüdern Grimm gesammelten Märchen auf: In „Die drei Männlein im Walde“ lässt die böse Stiefmutter die Heldin nur mit einem Papierkleid bekleidet mitten im tiefsten Winter nach Erdbeeren suchen. Ihre Suche führt sie zu den drei Männlein, die die Heldin aufgrund ihrer Hilfsbereitschaft belohnen.

 

Die Wald-Erdbeere in der Kunst

Walderdbeeren sind seit langer Zeit ein Symbol der Weltlust, der Verlockung und der Sinnenfreude. Das Christentum hat der Walderdbeere eine zweite Bedeutung beigemessen. Sie ist die Pflanze mit den rosenförmigen Blüten, die keine Dornen ausbildet, deren Beeren ohne Kern und Schale sind, die gleichzeitig fruchtet und blüht. Sie wurde daher zum Sinnbild der Rechtschaffenheit und zur Begleitpflanze von Maria auf mittelalterlichen Tafelgemälden. Wenn daher auf einem Gemälde der christlichen Kunst eine blühende Erdbeerpflanze auftaucht, ist sie außerdem als Allegorie frommer und guter Gedanken zu verstehen.

Trivialnamen/Synonyme/Volksnamen

Ardbeeren, Besingkraut, Darmkraut, Erbel, Erbern, Flohbeere, Hafelbeere, Ihrbeer, Rotbeere, Rote Besinge, Knickbeeren, Walderdbeere

Bestimmungshilfe (Video)

Beispielrezept(e) / Verwendungsmöglichkeit

Walderdbeerlikör

 

 Zutaten

 150 g Beeren (Walderdbeeren)

 80 g Kandiszucker

 50 ml Wasser

 300 ml Wodka

 

Zubereitung

Arbeitszeit: ca. 10 Min. / Koch-/Backzeit: ca. 5 Min. Ruhezeit: ca. 21 Tage / Schwierigkeitsgrad: simpel / Kalorien p. P.: keine Angabe

Die frischen Walderdbeeren mit dem Wasser und dem Kandiszucker (weißer oder brauner) aufkochen und 5 min. kochen. Abkühlen lassen.

 

Mit dem Wodka in ein gut verschließbares Gefäß geben und 2 - 3 Wochen stehen lassen. Ab und zu schütteln. Danach durch einen Teefilter filtrieren und in schöne Flaschen füllen.

 

Der Likör hat eine lange Reifezeit, kann jedoch auch zwischendurch immer wieder mal probiert werden.

 

Man kann den Likör auch mit ungekochten Früchten herstellen, ich mache ihn mit abgekochten Früchten, um die Gefahr an einem Fuchsbandwurm zu erkranken auszuschließen (wenngleich diese Gefahr sehr, sehr gering ist).

Quellenangaben

Teile des Beitrages basieren auf dem Artikel "Walderdbeere" aus der freien Enzklopädie Wikipedia und steht unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“.
 Nährwertangaben aus: Gu Nährwerttabelle
 Idee/Inhalte Kurzsteckbrief: kaesekessel.de
 Info Heilwirkung/Anwendungbereiche: kaesekessel.de
 Geschichtliches: http://melis.ch/alles-uber-beeren/die-geschichte-der-erdbeere/
 Rezeptidee/Verwendungsmöglichkeit: http://www.chefkoch.de/rezepte/2039061330278351/Walderdbeerlikoer.html
 selbst zusammengefasstes Wissen aus Büchern (siehe Buchempfehlungen)

 Tipp da toll gemacht: www.pflanzen-vielfalt.at

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Waldmeister
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Waldmeister genauer betrachtet

Der Waldmeister oder das Wohlriechende Labkraut ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Labkräuter. Er gedeiht meist in Laubwäldern in den Gemäßigten Breiten Eurasiens. Der bekannteste


Worte & Zitate zum Nachdenken

"Lasse Nahrung deine Medizin sein und Medizin deine Nahrung!"


Zitat: Hippokrates (460-370 v.Chr.)