Waldmeister - Nahrungsmittel aus der Natur

Wild- und Wiesenkräuter - Essbare Medizin/Survival Nahrung

Themen-Übersicht Waldmeister

Waldmeister Kurzsteckbrief

Blütezeit: Mai - Juni
Vorkommen: Lichte Wälder vor allem in der Nähe von Buchen. Feuchte, nicht zu schattige Standorte. Im Garten gern an lichten Stellen unter Bäumen oder Hecken oder überall da, wo sich auch der Farn wohl fühlt.
Verbreitung: Nord- und Mitteleuropa, Balkaninseln, rüber bis Sibirien, runter bis Italien und weiter bis Nordafrika
Sammelgut: Für Speisen: Kraut vor der Blüte | Arzneilich: Das blühende Kraut (Asperulae herba)
Sammelzeit: April - Juni
Sammelvorschrift: Waldmeister wird vor oder während der Blüte kurz über dem Erdboden geschnitten, gebündelt und zum Trocknen an einem luftigen, schattigen Ort aufgehängt. Die frische Pflanze ist geruchlos und erst angewelkt oder getrocknet entfaltet sie ihren charakteristischen Geruch. Die getrocknete Pflanze schmeckt würzig, etwas bitter und zusammenziehend.
Inhaltsstoffe: Asperulosid, Gerbstoff, Bitterstoffe, ein Anthraglykosid und ein Cumaringlykosid, das beim Trocknen Cumarin abspaltet.
Heilwirkung: beruhigend, blutreinigend, krampflösend, schweisstreibend,
Anwendungsbereiche: Verdauungsbeschwerden, Blasensteine, Herzschwäche, Kopfschmerzen, Migräne, nervöse Schlaflosigkeit, nervöse Unruhe, Nervenschmerzen, vermindert die Blutgerinnung, Gefässstärkend, Venenschwäche, Ödeme, Menstruationsbeschwerden, Furunkel, Ekzeme, Schlecht heilende Wunden,

Waldmeister genauer betrachtet

Der Waldmeister oder das Wohlriechende Labkraut ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Labkräuter. Er gedeiht meist in Laubwäldern in den Gemäßigten Breiten Eurasiens. Der bekannteste Inhaltsstoff des Waldmeisters ist das Cumarin. Waldmeister wird als Heil- und Würzpflanze beispielsweise für die Waldmeisterbowle verwendet.

Verwendung in der Küche / Survival Nahrung

Waldmeister hat einen ausgeprägten, würzig-bitteren Geschmack. In der Küche findet er vor allem in Verbindung mit Zucker Verwendung, da bei dieser Kombination der typische Waldmeistergeschmack erst richtig zur Geltung kommt. Deshalb würzt er häufig Süßspeisen (z. B. Götterspeise) und natürlich den Klassiker, die Maibowle.

 

Beliebt ist auch der Waldmeistersirup, der sich leicht selbst herstellen lässt. Die Berliner Weisse verdankt ihm z. B. seine giftig-grüne Farbe. Man kann den Sirup auch zum Marinieren von Früchten und Beeren verwenden oder mit Mineralwasser verdünnt eiskalt genießen!

 

Achtung: Waldmeister enthält wie beschrieben Cumarin, eine Über-

dosierung dieses Stoffes verursacht Übelkeit. Deshalb lässt man z. B. die angewelkten Waldmeisterblätter nur ca. 15 – 20 Minuten in der Bowle ziehen lassen!

Medizinische Nutzung / Homöopathie

Waldmeister wirkt gefäßerweiternd, entzündungshemmend und krampflösend.

Waldmeistertee soll die peripheren Gefässe erweitern und Ödemen entgegenwirken.Ferner wird er bei Leberstauungen, Darmstörungen und krampfartigen Zuständen von Magen und Darm in Form von Tee verewendet. Ungesüsster Tee wirkt besser als gesüsster.

 

In der Schweiz setzen Mediziner synthetische Cumarin-Derivate als gerinnungshemmende Medikamente ein.

 

Waldmeistertee wird auch von älteren Menschen als Schlafftee getrunken.

 

In der Volksmedizin wird Waldmeister auch als Frühjahrskur für das "müde Herz", als Mittel gegen Migräne oder Menstruationsbeschwerden, Schwermut oder Wassersucht verwendet.

 Waldmeister soll als Mittel gegen dämonische Kräfte verwendet worden sein. In Posen wurde Kühen, die nicht fressen wollten, Waldmeister mit etwas Salz gegeben. Hexen ließen sich angeblich durch eine Mischung von Waldmeister, Johanniskraut und Härtz Bilgen vertreiben.

 

Toxikologie

Waldmeister ist als wenig bis kaum giftig eingestuft. Das in der Pflanze enthaltene Cumarin kann Benommenheit und Kopfschmerzen sowie bei häufiger Nutzung Leberschäden hervorrufen. Seit 1974 ist die bis dahin verbreitete Aromatisierung mit Waldmeister bei Limonaden (grüne Waldmeisterlimonade) und Süßwaren, die hauptsächlich von Kindern konsumiert wurden, in Deutschland verboten; der Zusatz von Cumarin in Aromastoffen bei Lebensmitteln ist auf zwei Milligramm pro Kilogramm beschränkt. Auch bei der Zubereitung von Maibowle wird eine Menge von höchstens drei Gramm Frischdroge pro Liter Wein empfohlen, das entspricht zwei bis drei Pflanzen. Der Cumaringehalt gewerbsmäßig hergestellter Maibowle und anderer alkoholischer Getränke darf in Deutschland fünf Milligramm pro Liter nicht überschreiten.

 Die Tabakverordnung verbietet in Deutschland die Verwendung von Waldmeister in Tabakprodukten.

Verwechslungsgefahr (mit Giftpflanzen)

Im nicht blühenden Zustand mit anderen Labkrautarten, vor allem mit dem Waldlabkraut.
 Unterscheidung: Die Blätter des Waldmeisters sind breiter als die des Labkrauts, er fühlt sich feiner an und blüht früher. Grade das Waldlabkraut riecht auch unangenehm, während der Waldmeister im ersten Moment eher garnicht riecht und seinen Geruch nach dem Ernten entwickelt.

Beschreibung der Pflanze / Pflanzenbestimmung

Vegetative Merkmale

Waldmeister wächst als überwinternd grüne, ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 5 bis 50 cm. Dieser Hemikryptophyt bildet unterirdisch kriechende, dünne, mehr oder weniger lange Rhizome als Überdauerungsorgane, mit denen sich der Waldmeister auch vegetativ vermehren kann. Ihre aufrechten, unverzweigten, vierkantigen Stängel sind glatt und kahl, außer an den Knoten (Nodien), die kurz steif behaart sind.


Die zu sechst bis acht in Quirlen am Stängel stehenden Blätter sind sitzend bis zu einem Millimeter lang gestielt. Die einfache, einadrige Blattspreite ist länglich-lanzettlich oder schmal-elliptisch mit einer Länge von meist 15 bis 50 mm, einer Breite von meist 4,5 bis 15 mm und einem Länge/Breite-Verhältnis von etwa 4:1. Die Spreite verschmälert sich am Grund spitz bis keilförmig, die Spitze ist zugespitzt oder stumpf mit abrupter Stachelspitze. Der flache Blattrand ist rau. Die Blattflächen sind weitgehend kahl; es können vorwärtsgerichtete Mikrohaare auf der Oberseite und an der Mittelrippe der Unterseite vorhanden sein. Die Blätter werden beim Trocknen papierartig.


Generative Merkmale

Die Blütezeit reicht je nach Standort von April bis Mai oder Juni. Einige bis viele Blüten stehen in einem endständigen, zymösen Blütenstand zusammen. Es können laubblattähnliche Tragblätter vorhanden sein. Die Blütenstiele weisen eine Länge von einem bis vier Millimeter auf.


Die kleinen, zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und vierzählig. Der Kelch ist nurrudimentär ausgebildet. Die vier weißen oder bläulich-weißen, kahlen, 4,5 bis 6,5 mm langen und 3 bis 7 mm breiten Kronblätter sind auf etwa der Hälfte ihrer Länge mehr oder weniger breit trichterförmig verwachsen. Die Kronlappen sind dreieckig-spatelförmig mit spitzem oberen Ende. Es ist nur ein Kreis aus meist vier fertilen Staubblättern vorhanden, die in der Kronröhre inseriert sind. Zwei Fruchtblätter sind zu einem unterständigen, bei einer Länge von etwa 0,8 mm ellipsoid bis verkehrt eiförmigen, kurz steif behaarten Fruchtknoten verwachsen, der eine Samenanlage je Fruchtknotenkammer enthält. Die zwei Griffel sind bis oben hin frei mit je einer kopfigen Narbe. Es ist ein Diskus vorhanden.


Die trockene Spaltfrucht zerfällt in zwei einsamige Teilfrüchte. Die bei einer Länge von 2 bis 3 mm eiförmigen bis fast kugeligen Teilfrüchte sind mit 1 bis 1,2 mm langen, hakigen Borsten besetzt. Mit den Borsten klammern sich die Teilfrüchte als Klettfrüchte an Fell, Gefieder oder auch Kleidungsstücken fest und können so weit ausgebreitet werden. Die Früchte reifen zwischen Juni und September.

Bilder der Pflanze

Waldmeister Illustration
Grafik mit freundlicher Genehmigung von Kurt Stübers (www.biolib.de)
Waldmeister Blüte
von Jopi [Public domain], via Wikimedia Commons
Waldmeister Blätter
von Sebastian Wallroth (Eigenes Werk) [Public domain], via Wikimedia Commons

Verbreitung und Standorte

Waldmeister kommt von Nord-, Mittel- und Osteuropa bis in den asiatischen Teil derTürkei, Kaukasus und Kasachstan, sowie in Westsibirien (Altei), nordwestlichen Afrika, China, Japan und Korea vor. Er gedeiht in Höhenlagen von bis zu 1400 Meter in gemäßigten und kühlen Zonen. Waldmeister ist in Nordamerika ein Neophyt.


In Mitteleuropa wächst der Waldmeister am häufigsten in schattigen Rotbuchenwäldern, kommt aber auch in Eichen-Hainbuchenwäldern vor. Waldmeister bevorzugt frische, lockere, nährstoff- und basenreiche Böden und zeigt Lehmböden an.            

Waldmeister ernten | Ernte Tipps

Der Waldmeister kann zwischen Mai bis Juli geerntet werden. Es sollen möglichst blühende und junge Pflanzen gesammelt werden. Anschließend müssen sie zum Trocknen in lockeren Schichten gelagert werden. Sie dürfen sich nicht schwarz verfärben. Die Aufbewahrung erfolgt trocken und lichtgeschützt.

Geschichtliches / Wissenswertes

Während der Zeit der Hexen- und Aberglauben wurde Waldmeister zur Abwehr böser Geister verwendet. Die alten Germanen würzten ihr Bier mit Waldmeister. Aus dieser Zeit stammt auch der Brauch der Maibowle.

Trivialnamen/Synonyme/Volksnamen

Asperula odorata L., Duftlabkraut, Gliederkraut, Glidkraut, Halskräutlein, Herzfreund, Leberkraut, Maiblume, Maikraut, Meister, Mösch, Teekraut, Waldmännlein, Waldtee

Bestimmungshilfe (Video)

Beispielrezept(e) / Verwendungsmöglichkeit

Waldmeistertee:

Für eine Tasse Tee braucht man, 1 Teelöffel getrocknete oder 2 Teelöffel frischen Waldmeister, mit heißem Wasser aufgebrüht, 5 Minuten ziehen lassen und fertig ist der Waldmeistertee. Getrunken wird der Tee in kleinen Schlucken.


Den Waldmeister sollte man jedoch nicht überdosieren (2-3 Tassen am Tag sind okay), denn sonst kann er Kopfschmerzen auslösen, also genau die Beschwerden, gegen die er eigentlich wirken soll.

Quellenangaben

Teile des Beitrages basieren auf dem Artikel "Bärlauch" aus der freien Enzklopädie Wikipedia und steht unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“.
 Nährwertangaben aus: Gu Nährwerttabelle
 Idee/Inhalte Kurzsteckbrief: kaesekessel.de
 Info Heilwirkung/Anwendungbereiche: www.heilkraeuter.de
 selbst zusammengefasstes Wissen aus Büchern (siehe Buchempfehlungen)

 Tipp da toll gemacht: www.pflanzen-vielfalt.at

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Worte & Zitate zum Nachdenken

"Lasse Nahrung deine Medizin sein und Medizin deine Nahrung!"


Zitat: Hippokrates (460-370 v.Chr.)