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"Die wahre Ehrfurcht geht niemals aus der Furcht hervor."
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Foto: Matthias Bozek  / pixelio.de

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Viabilit�t - Gangbarkeit

Viabilit�t - ein m�glicher Weg aus dem dualistischen Denken

Viabel = Gangbar, passend, brauchbar, funtional.

Dualit�t f�rbt die Welt in nur zwei Farben. Wie z.B. in die Farben Richtig und Falsch.
Viabilit�t (Gangbarkeit) erweitert das Farbspektrum ungemein. Macht die Welt bunt.

Wer kennt es nicht. Egal ob im Privatleben oder in der Arbeit. Da und Dort gibt es Situationen und Anforderungen, die einer Wegvorgabe, einer Entscheidung bed�rfen. Jeder, der an der Findung beteiligt ist, hat eine Idee, einen Plan oder eine Vorgabe. Diese, unsere eigenen Ideen, Pl�ne und/oder Vorgaben, sind nat�rlich die richtigen und diejenigen die - da sie ja auch die besten sind - sind jene, die f�r die Entscheidungsfindung herangezogen werden sollen oder zumindest sollten.

Wenn wir nur f�r uns alleine zu entscheiden h�tten, g�be es kein Problem. Eventuell gibt es ein kurzes (oder l�ngeres) Hin- und Her der inneren Stimmen, um dann eine Entscheidung zu f�llen und nach dieser zu handeln.

Kommt eine weitere oder gar mehrere Personen ins Spiel, wird dieses Entscheidung-Finden und -F�llen schon anspruchsvoller. Jeder hat ja seine Idee und Vorz�ge. Das - in der westlichen Welt vorherrschende - dualistische Denkkonzept dr�ngt uns als Bewertungsgrundlage von Ideen, Pl�nen oder Vorschl�gen anderer Menschen (uns sogar unserer eigenen) die Begriffe “Richtig und Falsch” auf.

Um eine Entscheidungsgrundlage zu haben, hat sich in unserer Gesellschaft - im Kleinen (Familie, Teams) wie im Gro�en (Dachverb�nde, Staat) - der Gedanke der Demokratie eingeb�rgert. Kurz, die Mehrheit bestimmt was “zu tun”, was “richtig und falsch” ist.

Und zum bekannten Vergleichsmodell der Diktatur - wo eine Person den Weg vorgibt und “richtig und falsch” f�r alle definiert - ist Demokratie eine tolle Angelegenheit. In dieser gibt es Mitsprache und dadurch zumindest eine Art von Wahl. Nur - genau betrachtet - gehen in jedem dieser Systeme (mehr oder weniger) Verlierer hervor. Nat�rlich gibt es dabei Unterschiede. In einer Diktatur gibt der Kopf an der Spitze den Weg (was ist richtig/ falsch) vor und jene die diesen Weg nicht wollen, werden durch Unterdr�ckung und Androhung von Strafe ins System gepresst und an den Weg gebunden.

In einer Demokratie wird der Weg (was ist richtig/falsch) durch Mehrheitsbeschluss bestimmt. Die Minderheit unterwirft sich entweder freiwillig (da ja “eh” demokratisch entschieden wurde) und/oder wird durch Gesetze (die zum Teil Strafandrohung beinhalten) - angehalten (um nicht “unterdr�ckt” zu sagen) sich an den vorgegeben Weg, die vorgegebene Definition von Richtig und Falsch, zu halten. In beiden Formen gibt es also (zumindest “gef�hlte”) Verlierer.

Entscheidungen geh�ren getroffen. Im Kleinen (Selbst, Familie, Freunde) wie im Gro�en (Firmen, Staate, Kulturkreise). Probleme bzw. Verlust- bzw. Verlierergef�hle entstehen nur durch Anbringen von dualistischer (trennender/wertender) Etikette wie richtig & falsch. Ob dieses Richtig oder Falsch sprachlich laut vertreten oder im Geist nur leise gedacht wird, ist nebens�chlich. Es schafft ein Gef�hl der Trennung. Ein Gef�hl des anders Seins, der Nichtzugeh�rigkeit.

Aber kann es da eine L�sung geben? Es gibt ja keine Gesellschaftsform, die ohne Entscheidungen oder Wegvorgaben auskommen k�nnte. Nicht einmal eine Zweierbeziehung oder die Beziehung zu sich selbst, kann ohne Entscheidungen auskommen oder funktionieren.

Es gibt eine L�sung! Die L�sung liegt jedoch nicht in der Welt “da drau�en”. Es gibt keine neue Gesellschafts- oder Beziehungsform, die wir anbieten k�nnen. Was wir anbieten k�nnen, ist eine neue Haltungsform. Eine Denkver�nderung. Denn ver�ndert man seine eigene Haltung, sein Denken, ver�ndert man auch die Welt.

Unser Vorschlag ist, weg vom Dualismus! Weg von “richtig” und “falsch”! Hin zur Viabilit�t. Zur Gangbarkeit, zum Erkennen, dass es viele Wege gibt und jeder vorgeschlagene Weg kluge Elemente enth�lt. (Auch wenn diese klugen Elemente oft - durch ungeschickte und populistische Sprache - verdeckt und begraben werden.)

Was ist Viabilit�t? Woher stammt der Begriff?

Viabilit�t ist ein Konzept des radikalen Konstruktivismus und l�sst sich auf Ernst von Glasersfeld zur�ckf�hren. Der Begriff viabel bedeutet zun�chst gangbar, passend, brauchbar, funktional.

Da nach Ansicht des radikalen Konstruktivismus die �bereinstimmung der �berzeugungen mit der Wirklichkeit nicht m�glich ist, verzichtet er auf einen Wahrheitsbegriff. Als Kriterium f�r die �berzeugungen setzt er statt dieses Begriffes den Begriff Viabilit�t.

Beispiel
Ein Kapit�n, der eine Meerenge mit Untiefen ohne Echolot und Seekarte ohne Kollision durchquert, hat einen viablen Weg gefunden, es kann 1000 andere viable Wege (M�glichkeiten, die Meerenge ohne Kollision zu durchqueren) geben. Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Viabilit%C3%A4t

Und so wie auf dem Weg durch eine Meerenge ist es auch bei den gro�en und kleinen Entscheidungen die im Gro�en und Kleinem gefunden werden m�ssen. Es gibt immer viele Wege. Diese Sichtweise stellt die Idee der Diktatur auf das Abstellgleis (wohin sie f�r uns auch geh�rt) und Erhebt die Demokratie zu der Form in der selbst �berstimmte Stimmen Gewinner sein k�nnen. Der Gewinn ist der Verlust vom “richtig und falsch Denken”. Es ver�ndert sich die Energie / das Gef�hl. Denn wenn man wei� das jeder Weg ein Viabler, ein Gangbarer, ist, glaubt man auch nicht mehr auf der Richtigen oder Falschen Seite zu stehen. Es gibt in diesem Denken kein Richtig und kein Falsch und somit keine Trennung. Es bleibt eine Einheit, eine Gruppe, eine Gemeinschaft auf einem Gangbaren weg.

Diese Sichtweise geh�rt nat�rlich kultiviert. Eine gute �bung ist hierbei das sogenannte Reframing. Reframing bedeutet sowie wie “Neurahmen/Umdeuten”. Man schaut dabei auf eine Sache und sucht in ihr das Gegenteil. Das dualistische (trennende/wertende) Denken, kann hier ein toller Lehrmeister sein, jedoch nur, wenn man richtig und falsch aus dessen Bennenungswortschatz streicht.

�bung: Erstelle eine Liste deiner sogenannten Schw�chen. Durch das Reframing suchst du jetzt jedoch nach ihren verborgenen guten Seiten, damit du entspannter mit ihnen umgehen kannst. Wenn du zum Beispiel sehr unordentlich bist und das an dir nicht leiden kannst, so kannst du beispielsweise die darin verborgene gute Seite sch�tzen lernen. Die k�nnte z.B. sein, dass du innerlich unabh�ngig von �u�eren Formen und Strukturen bist.

Es geht hier nicht um ein Sch�nreden der Welt. Es geht darum zu sehen, dass es mehrere Betrachtungsweisen der selben Sache gibt. Dadurch wird erkannt, gesp�rt (und nicht nur rein intellektuell erfasst), dass die Begriffe “Richtig und Falsch” f�r eine Beschreibung der Wirklichkeit unzureichend und somit ungeeignet sind.

Video-Beitrag
Interview mit Ernst von Glasersfeld. Grundinformationen �ber den radikalen Konstruktivismus und Viabilit�t.

Teil 1               Teil 2
 

 

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Foto: juli.g�nsebl�mchen / pixelio.de

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