Charly das Fledermauskind

Liebevolle Gutenachtgeschichten für unsere Jüngsten

Das kleine Mädchen kuschelt sich wohlig in ihre Decke und wartet sehnsüchtig auf ihre Mutter, die ihr jeden Abend vor dem Einschlafen eine Geschichte erzählt.

Die Äuglein sind zwar schon schwer und meistens schläft sie schon nach wenigen Minuten ein, aber das ist für das Mädchen trotzdem die schönste Stunde des Tages, weil sie die Mutter hierbei ganz alleine für sich hat.

Sie spürt die Liebe der Mutter in all ihren Worten und fühlt sich geborgen und behütet. Endlich war es so weit, die Mutter kam ins Zimmer, setzte sich zu ihr und begann mit sanfter Stimme zu erzählen:

Es war einmal eine kleine Fledermaus, mit dem Namen Charly.

Charly hatte noch fünf weitere Geschwister, er aber war der Jüngste. Er wohnte mit seiner Mutter und seinen Geschwistern in einer kleinen Höhle, zusammen mit Hunderten anderen Artgenossen, die aber nicht wirklich verwandt mit Charly waren.

Am Tag musste Charly schlafen, besser gesagt, seine Mutter wollte, dass er am Tag schläft, weil das ja alle anderen Fledermäuse auch täten, um sich für den Nachtflug auszuruhen. Außerdem liebten sie das Sonnenlicht nicht so besonders. Aber als die Sonne untergegangen war und es dunkel wurde, flogen sie los dass es nur so rauschte, um Futter zu suchen.

Genauso machten es auch Charlys Mutter und seine fünf Geschwister. Nur Charly durfte noch nicht mitfliegen, da er noch ein kleiner Wicht war, wie seine Mutter zu sagen pflegte. Aber schlafen musste er trotzdem am Tag, das fand Charly ziemlich ungerecht. "Die dürfen mit und ich muss dableiben und auch noch schlafen," beschwerte er sich, aber es war ja keiner da, der es hören konnte. Bis auf einige anderen kleinen Fledermauskinder, die aber nach Charlys Meinung noch viel kleiner waren als er und seine Nachbarn, die Familie Spinne mit ihren zahlreichen Kindern.

So jammerte er eine Weile vor sich hin, bis schließlich seine Mutter von ihrem Ausflug wieder zurück kam. Dann war Charlys Welt jedes mal wieder in Ordnung und sein Groll war verflogen, denn sie bracht ihm stets einen saftigen Leckerbissen mit, den er sich immer gleich schmecken lies.

 

So vergingen die  Wochen, bis eines Tages, die Zeit für Charlys ersten Ausflug kam. Als ihm die Mutter die ersehnte Nachricht überbrachte, dass es diese Nacht so weit sein würde, war es vorbei mit der Tagesruhe.

Charly war ganz aufgeregt und fragte ständig: "Wann ist es denn so weit, können wir jetzt los?"

Und schließlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, war es dann auch so weit. Die Mutter nahm Charly auf ihren Rücken "Huckepack" und sie flogen los. Sie manövrierte geschickt durch den Nachthimmel, zu den angrenzenden Wald, während Charly auf ihrem Rücken völlig aus dem Häuschen war: "schneller" schrie er übermütig, "schneller." Es machte ihm großen Spaß.

Die Mutter fing im Fluge Insekten, mit so einem Geschick, das Charly staunte. "Das will ich auch können", sagte er. "Das wirst du", sagte die Mutter und schwups nahm sie ihn von ihrem Rücken und setzte ihn auf einen Ast.

"Nun fliege", sagte die Mutter und flog ein kleines Stück weg. Charly wusste nicht wie ihm geschah, die erste Flugstunde kam doch ein bisschen plötzlich für ihn. Es ruderte mit seinen Flughäuten, bis diese ganz rot wurden und stürzte sich dann vom Baum, vergaß aber dabei auf dass ausbreiten der Flughäute.

Foto: Pixabay
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Nun lag er am Waldboden und hörte noch seine fünf Geschwister, wie sie über ihn lachten und dann wusste er nichts mehr. Als er wieder zu sich kam, beugte sich eine Maus über ihn und tätschelte ihm das Gesicht.

Ihr Name war Mimi. Mimi fragte besorgt: "Ist wieder alles in Ordnung?"

Charly kannte sich anfangs nicht aus und fragte: "Was ist denn passiert?"  Du bist vom Baum gefallen", sagte Mimi.

Langsam erinnerte sich Charly wieder an die schief gelaufene erste Flugstunde und an dass Lachen seiner fünf Geschwister und er schämte sich, er wollte am liebsten im Boden verschwinden. Als er nichts darauf antwortete fragte Mimi wieder, ob alles in Ordnung wäre, worauf Charly zu schluchzen anfing.

Von oben hörte er die Rufe seiner Mutter, er wollte sich aber nicht melden. Er wollte eigentlich gar keine Federmaus mehr sein, so sehr schämte er sich.

Nun sah er Mimi etwas genauer an: "Du hast ja auch keine Flughäute und du bist doch auch eine Maus", stellte er fest. "Ja", antwortete Mimi. "Wir Feldmäuse haben leider keine Flügel, oder ähnliches, aber dass wäre oft viel besser, welche zu haben", sagte sie. "Erst unlängst wurde meine Nichte von einer Katze gejagt und hätte sie Flügel gehabt, so wäre sie der Katze sicher entkommen." So erzählte sie Charly von ihrem Leben, bemerkte aber dabei nicht, das sich hinter ihr ein Fuchs anschlich und sich bereit machte zu springen.

Charly aber sah ihn und erstarrte, er wusste er müsse der Maus irgendwie helfen, so machte er das einzig richtige. Er flatterte mit (diesmal) ausgebreiteten Flughäuten in die Höhe und packte dabei Mimi, die Gottseidank sehr klein und leicht war, am Rücken und zog sie mit sich hoch in die Lüfte. Dem Fuchs blieb nicht´s anderes übrig, als unverrichteter Dinge wieder von Dannen zu ziehen.

 

Als sie wieder sicher gelandet waren, konnte Mimi eine Weile gar nichts sagen, so erschrocken hatte sie sich, aber als sie wieder sprechen konnte, sagte sie mit zittriger Stimme": Charly du bist mein Held, ich danke dir, du hast mein Leben gerettet."

Nun kamen auch die Geschwister von Charly, die ihn vorerst ausgelacht hatten, diesmal aber waren sie stolz auf ihn. "Toll gemacht kleiner Bruder!" riefen sie.

Die Mutter, die diese Heldentat ihres Jüngsten ebenfalls beobachtet hatte, war ebenfalls sehr stolz auf ihren Charly. 

"Siehst du", sagte sie "Wenn du eine Weile übst, dann wirst du noch ein Meisterflieger, man darf nicht so schnell aufgeben Charly." Das wusste Charly jetzt auch, von nun an übte er fleißig und war bald wirklich ein guter Flieger.

Mimi und Charly aber wurden die allerbesten Freunde, sie waren beinahezu unzertrennlich geworden und hätte er seine erste Bruchlandung nicht gehabt, wären sie sich wohl nie begegnet.

 

                                                                 Ende

 

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Foto: Pixabay
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"Lassen wir ein Kind so lange wie möglich ein Kind sein. Erwachsen ist es noch sein ganzes Leben."

Zitat: Maria-Theresia Radloff

 

"Nicht das Hinfallen ist schlimm, sondern es ist schlimm, wenn man dort liegenbleibt, wo man hingefallen ist."

Zitat: Sokrates

 

"Halte dich fest am Anker des Friedens im Hafen der Familie, wenn du im Meer der Friedlosigkeit der Welt nicht versinken willst."

Zitat: Carl Peter Fröhling