Peter fängt einen Sonnenstrahl

Liebevolle Gutenachtgeschichten für unsere Jüngsten

Das kleine Mädchen kuschelt sich wohlig in ihre Decke und wartet sehnsüchtig auf ihre Mutter, die ihr jeden Abend vor dem Einschlafen eine Geschichte erzählt.

Die Äuglein sind zwar schon schwer und meistens schläft sie schon nach wenigen Minuten ein, aber das ist für das Mädchen trotzdem die schönste Stunde des Tages, weil sie die Mutter hierbei ganz alleine für sich hat.

Sie spürt die Liebe der Mutter in all ihren Worten und fühlt sich geborgen und behütet. Endlich war es so weit, die Mutter kam ins Zimmer, setzte sich zu ihr und begann mit sanfter Stimme zu erzählen:

Es war einmal ein kleiner Junge namens Peter.

Peter war sechs Jahre alt und lebte zusammen mit seinen Eltern und seiner kleinen Schwester Lisa, am Waldrand in der Nähe eines kleinen Sees. Die nächste Ortschaft war weit weg, denn damals gab es nur ganz wenige große Städte. Die meisten Menschen mussten hart für ihr tägliches Brot arbeiten und so erging es auch Peters Familie.

Der Vater fuhr fast jeden Tag mit seinem kleinen Holzboot zum Fischen auf den See hinaus, damit seine Familie ernährt werden konnte, denn der Ackerboden gab nicht viel an Getreide her. Oft vielen ganze Ernten wegen des Wetters aus und es konnte daher kein Mehl gemahlen werden um Brot backen zu können.

Sie hatten zwar eine alte Milchkuh Namens Lilli, die aber auch schon eine ältere "Dame" geworden war und daher nicht mehr so viel Milch geben konnte. Also gab es Fisch.

 

Aber von den Sorgen der Eltern bekam Peter natürlich nichts mit, er und seine Schwester Lisa spielten den ganzen Tag im Hof ihres Häuschens und im Garten. Erst unlängst war der Mutter eine Tasse zerbrochen. Als die Mutter die Scherben in einen Beutel geben wollte, erkannte Peter, dass der Griff der Tasse aussah wie Lilli die Kuh.

"Mama bitte darf ich den Griff haben?" fragte Peter seine Mutter. Diese sah ihn verwundert an "Aber Peter, was willst du denn mit der Scherbe, gib bloß acht, dass du dich nicht schneidest", entgegnete sie mahnend. Dann aber gab sie Peter nach längerem Zögern doch die gewünschte Scherbe. "Danke Mama jetzt hab ich eine Kuh", rief Peter und rannte zu Lisa, die im Garten spielte, um ihr sein neues Spielzeug zu zeigen.

 

Aber was Peter am allerliebsten tat, war, mit seinem Vater auf den See zum Fischen zu fahren. Das war für ihn jedes mal ein Abenteuer. Sein Vater nahm ihn in letzter Zeit auch gerne mit, denn er erkannte, dass Peter nicht mehr so zappelig und ungeduldig war wie früher.

"Peter, heute brauche ich deine Hilfe", sagte der Vater, als sie nächsten Tag beim Mittagessen saßen. "Das Netz hat sich total verwickelt, vielleicht kannst du mir helfen, es zu entwirren."

"Ja!" sagte Peter und grinste.

Nur allzu gerne kam Peer mit zum Fischen. Aber bevor es losgehen konnte, musste noch das große Netz entwirrt und repariert werden. Diese Arbeit dauerte lange, aber am Abend war es geschafft.

Als sie am nächsten Tag, früh am Morgen, auf den See hinaus ruderten, war die Stimmung am Himmel besonders schön. Die Sonne ging gerade auf und zauberte ihr allerschönstes rot-orange über das Wasser. Die ersten Vögel kündigten mit ihren Rufen den herannahenden Tag an und machten sich auf Futtersuche.

Das war Peters liebste Stunde, noch nicht richtig Tag, aber auch nicht mehr Nacht.

So fuhren sie also zur Mitte des Sees und der Vater machte sich bereit, das große Netz auszuwerfen.

Als das Netz im Wasser war, holte der Vater die Angeln hervor. Die kleine Angel gehörte Peter, er hatte damit schon öfter einen Fisch gefangen, was ihn natürlich sehr freute.

Nun wurde es allmählich hell, der Vater holte das mitgebrachte Frühstück aus dem Rucksack und die Beiden ließen es sich richtig gut schmecken.

Der Vater erzählte Peter Geschichten von seiner Kindheit und dieser hörte aufmerksam zu. Hin und wieder wurde herzhaft gelacht, weil er eine ulkige Begebenheit erzählte.

Als sie wieder ruhig nebeneinander saßen, ließ Peter seine Augen über das ruhige Wasser schweifen und auf einmal erblickte er etwas Glitzerndes, das sich im Fischernetz verfangen hatte.

Er zog das glitzernde Etwas langsam mit dem Netz zum Boot heran und nahm es vorsichtig heraus.

Es war eine große Glasscherbe, welche man auch in Kirchenfenstern findet. Sie schillerte rot, gelb, grün und blau und je nachdem, wie man sie hielt, glitzerte sie golden oder silbern.

 

Peter rief: "Schau Papa, ich habe einen Sonnenstrahl gefangen!"

Der Vater lächelte und sagte: "Ja, das ist ja ein wahrhaftiger Schatz."

Plötzlich hörten sie ein lautes Plätschern und Gurgeln. Als sie sich umschauten, sahen sie einen seltsamen Fisch.

Seltsam deshalb, weil er irgendwie auf dem Wasser zu stehen schien und eine Art Kronenflosse besaß,die hell leuchtete.

"Ihr habt was, was uns gehört," sagte der Fisch. Peter und sein Vater sahen sich verdutzt an, der Fisch konnte nun auch noch sprechen.

"Was, was..." stammelte der Vater.

"Gebt uns bitte unser Licht wieder", flehte der Fisch, der nun auf dem Wasser saß.

"Was ist euer Licht?" fragte Peter, der sich nun allmählich wieder gefangen hatte und seinen Mund wieder schließen konnte.

"Wir brauchen unser Licht, denn ansonsten leben wir in völliger Dunkelheit, unten am Seegrund", sagte der Fisch und zeigte auf Peters Glasscherbe.

"Wenn ihr es uns wiedergebt, so werdet ihr reichlich belohnt", sagte der Fisch, der, wie es sich herausstellte, der König des Fischreiches vom See war.

Peter zögerte nicht lange und gab dem Fisch die Scherbe zurück. Dieser machte eine Art Verbeugung und verschwand in der Tiefe.

Der Vater sagte erstaunt: "Das ist ja unglaublich, was da eben passiert ist. Peter, du hast völlig richtig gehandelt."

Als er das sagte, tauchte der Fisch wieder auf und schwang mit den Flossen einen Beutel in das Boot.

"Danke!" rief der Vater noch, aber der Fisch war schon wieder weg.

Als sie in den Beutel hineinschauten, bemerkten sie, dass der Beutel voller Goldmünzen war. Vater und Sohn umarmten sich herzlich, denn sie wussten beide, ab diesem Zeitpunkt, müssten sie nie wieder Hunger leiden!

 

                                                                       Ende

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Worte & Zitate zum Nachdenken

"Lassen wir ein Kind so lange wie möglich ein Kind sein. Erwachsen ist es noch sein ganzes Leben."

Zitat: Maria-Theresia Radloff

 

"Nicht das Hinfallen ist schlimm, sondern es ist schlimm, wenn man dort liegenbleibt, wo man hingefallen ist."

Zitat: Sokrates

 

"Halte dich fest am Anker des Friedens im Hafen der Familie, wenn du im Meer der Friedlosigkeit der Welt nicht versinken willst."

Zitat: Carl Peter Fröhling